hatte, mich nicht angeben würde. 2ch entschloß mich gleich, in mein Gewölbe an mein Geschäft zu gehen, und wo möglich eine sorglose Miene anzunehmen. Aber ach! ein neuer Umstand, den ich setzt erst bemerkte, vermehrte noch meinen Kummer. Meine Mütze und mein Gürtel, wie auch meine Messer fehlten mir, und ich war ungewiß, ob ich sie in dem Zimmer der Geiodteten gelassen oder erst auf meiner Flucht verloren hatte. Leider schien das erste wahrscheinlicher, und man konnte mich also als Mörder entdecken.
Ich öffnete zur gewöhnlichen Zeit mein Gewölbe. Mein Nachbar trat zu mir her, wie er alle Morgen zu thun Pflegte, denn er war ein gesprächiger Mann: „Ei, was sagt Ihr zu der schrecklichen Geschichte," hub er an, „die heute Nacht vorgefallen ist?" Ich that, als ob ich nichts wüßte. „Wie, solltet Ihr nicht wissen, von was die ganze Stadt erfüllt ist? Nicht wissen, daß die schönste Blume von Florenz, Bianca, die Tochter des Gouverneurs, in dieser Nacht ermordet wurde? Ach! ich sah sie gestern noch so heiter durch die Straßen fahren mit ihrem Bräutigam, denn heute hätten sie Hochzeit gehabt." Jedes Wort des Nachbars war mir ein Stich ins Herz; und wie oft kehrte meine Marter wieder, denn jeder meiner Kunden erzählte mir die Geschichte, immer einer schrecklicher als der andere, und doch konnte keiner so Schreckliches sagen, als ich selbst gesehen hatte. Um Mittag ungefähr trat ein Mann vom Gericht in mein Gewölbe, und bat mich, die Leute zu entfernen. „Signore Zaleukos," sprach er, indem er die Sachen, die ich vermißt, hervorzog, „gehören diese Sachen Euch zu?" Ich besann mich, ob ich sie nicht gänzlich abläugnen sollte, aber als ich durch die halbgeöffnete Thüre meinen Wirth und mehrere Bekannte, die wohl gegen mich zeugen konnten, erblickte, beschloß ich, die Sache nicht noch durch eine Lüge zu verschlimmern, und bekannte mich zu den vorgezeigten Dingen. Der
Hauffs Märchrn, 4

