worden. Versorge sie christlich in Nahrung, Kleidung und Arbeit. Schone und pflege sie in der Krankheit! Sei nachsichtig oder streng gegen ihre Fehler, nachdem sie sind, ohne Scheltworte und ohne Fluch, und laß sie auch sonst ein wenig merken, daß du Gott fürchtest und die Menschen liebest. Das ist noch mehr als hundert und fünfzig Gulden werth, und wird dir mehr als für hundert und fünfzig Gulden Segen in's Haus und in’ö Herz bringen, meint seines Orts der rheinländische Hausfreund. Denn die Gottesfurcht hat sich noch nicht überall von den armen und geringen Menschen geschieden, und bei den reichen und vornehmen cin- quartirt. Vielniehr, sie hat sich schon an manchem Ort vor dem Ncichthum und Uebermuth der Herrschaften in das Herz und in das Kämmerlcin ihrer Dienstboten geflüchtet.
95. Glimpf geht über Schimpf.
Ein Hebräer aus dem Sundgau ging jede Woche einmal in seinen Geschäften durch ein gewisses Dorf. Jede Woche einmal riefen ihm die muthwilligcn Büblein durch das ganze Dorf nach: „Jud! Jud! Judcnmauschel!" Der Hebräer dachte: was soll ich thun? Schimpf ich wieder, schimpfen sie ärger, werf ich einen, werfen mich zwanzig. Aber eines Tages brachte er viele neugeprägte wcißgekochte Baselrappen mit, wovon fünf so viel sind als zwei Kreuzer, und schenkte jedem Büblein, daö ihm zurief: „Judenmansch el!" einen Rappen. Als er wieder kam, standen alle Kinder auf der Gasse: „Jud! Jud! Judenmauschell

