Die Nachbarn.

| in Mann zog seine Straße von Tobolsk nach Kjachta, wo er Geschäfte abzuwickeln hatte: er ging zu Fuß, weil er wenig besaß und die tagelangen Schlitten­fahrten, die er hinter sich hatte, seinem Geldbeutel nicht gut be­kamen. Es war Mittagszeit, die Sonne brannte heiß, und der Schnee unter seinen Füßen wurde weich. Auf dem gefrorenen Flusse, den er zu überschreiten hatte, rieselten Büchlein und bil­deten sich Spalten, so daß sein Marsch sich recht ermüdend ge­staltete. Er machte deshalb früher Rast, als er beabsichtigt hatte, setzte sich auf einen Stein und untersuchte seine Reisetasche nach einem Imbiß. Er fand nichts weiter als trockenes Brot; doch es mundete dem Wanderer ganz vortrefflich; nur hatte er gern etwas dazu getrunken. Auch konnte er sich nicht ganz satt essen; denn sein kleiner Vorrat sollte noch viele Tage reichen. Er packte daher denselben, als es ihm am besten schmeckte, nicht ohne einen leisen Seufzer wieder ein. Als er sich eben anschickte weiterzugehen, entdeckte er am Boden ein Ei, rötlich gefärbt, mit goldglänzenden Punkten; er hielt es gegen das Licht, und da es ihm frisch schien, schlug er es auf und verzehrte es. Es war

H. Ludwig. Sibirische Märchen.

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