27
Hardinge, ein heftiger, jähzorniger Man», bleich vor Wuth, Ferdinand einen Schritt näher trat.
„Herr, Sie sind eine Schande für den Dienst!" rief er ergrimmt — „und bei Gott, wenn Sie sich nicht augenblicklich entfernen, augenblicklich sage ich, so lasse ich Sie heute noch in Eisen legen und stelle Sie morgen vor das Kriegsgericht! Fort mit Ihnen, Sie erbärmlicher Lügner!"
War es dieses Scheltwort, waren es die Dünste des genossenen Weines oder die aufreizenden Zurufe seiner Genossen, kurz, Ferdinand lieh sich zu einer That hinreißen, die ihm für immer die Laufbahn des Kriegers verschloß. Kaum hatte Lieutenant Hardinge seine Lippen geschlossen, so erhob Ferdinand seine Hand, und versetzte seinem Vorgesetzten einen Schlag in's Gesicht. Lieutenant Hardinge schrie bei dieser entsetzlichen Beleidigung des unbesonnenen Jünglings laut auf, und riß seinen Degen aus der Scheide, um sich auf der Stelle tödtlich zu rächen. Ferdinand erwartete flammenden Auges und zum Aeußersten entschlossen, den Angriff, indem auch er die Hand an seinen Degen legte. Aber zum großen Glück warfen sich die Ucbrigen zwischen ihn und den schwer beleidigten Offizier, und verhinderten diesen Letzteren, von seiner Waffe Gebrauch zu machen. Alle sahen ein, daß Ferdinand sich denn doch zu weit von der Leidenschaft hatte hinreißen lassen, und suchten Herrn Hardinge zu besänftigen. Dies gelang ihnen nun zwar nicht, aber sie erreichten wenigstens so viel, daß Herr Hardinge, wohl einsehend, wie vergeblich es sein würde, sich der Uebermacht entgegen zu stellen, sein Vorhaben, Ferdinand nach frischer That zu züchtigen, aufgab, und sich mit der Drohung entfernte, daß er nicht ruhen wolle, bis der freche Bube, der sich an seinem Vorgesetzten thätlich vergriff, vor ein Kriegsgericht gestellt, schwer bestraft und endlich mit Schimpf und Schande aus dem Dienste gestoßen wäre. Alle athmeten freier auf, als seine Gestalt unter den

