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Würde man dich aus dem Kerker schaffen? Wie leicht, sich verrückt zu stellen, wenn die Leute im Voraus überzeugt sind, daß der Verstand wirklich gelitten hat. Wohlan, ich will dies Mittel versuchen, um mich dadurch aus diesem Kerker zu befreien, der mir durch den Tod meiner Freundin dreifach verhaßt geworden ist."

Ein Glück war es, daß Ferdinand auf diesen Gedanken gebracht wurde. Er hatte doch nun wieder etwas, das ihn von seinem Grübeln über den Tod der Spinne abbrachte, diesem Grübeln, welches ihn wirklich noch in der That wahn­sinnig hätte machen können. Denn wahrlich, der Mörder eines Menschen konnte nicht tiefern Schmerz und tiefere Reue über seine Unthat empfinden, als Ferdinand über den Tod seiner Spinne empfand. Dadurch, daß er nun einen Plan zu seiner Befreiung verfolgen konnte, wurde die Thätigkeit seiner Seele, die beinahe schon erstürben war, wieder in's Leben gerufen, und er entging dem schrecklichen Unglück, sich für immer des Göttlichsten im Menschen, der Vernunft, beraubt zu sehen.

Der Kerkerineister ließ sich leicht täuschen, und Ferdi­nand, angespornt von der Sehnsucht, die Freiheit wieder zu erlangen, spielte seine Rolle vortrefflich. Der Arzt wurde gerufen, um eine Untersuchung anzustellen. Jni Voraus von dem Kerkermeister für dessen Ansicht eingenommen, ent­schied er, daß Ferdinand allerdings geistesverwirrt sei, und Tags darauf kam der Befehl, den Unglücklichen aus dem Kerker zu entlassen und nach Bicetre in's Irrenhaus abzu­liefern. Dies geschah. Ferdinand wurde aus dem düstern Gefängnisse geführt und sah sich bald darauf in einem klei­nen, aber heiteren und freundlichen Zimmer, das ihm in der Irrenanstalt vorläufig zur Wohnung angewiesen war. Er hatte dadurch freilich nur einen Kerker mit dem andern ver­tauscht, aber dennoch segnete er insgeheim sein Geschick. Hier sah er doch wenigstens wieder die Sonne, den blauen

Folgen deS Leichtsinns. 5