8

kleinen Bruder, ja zuweilen warf er ihn nieder. Eines Tages liefen sie vor dem Hause umher, die arme Mutter, die bei ihrem Säugling die ganze Nacht gewacht hatte, war im Lchnstuhl eingeschlafen. Ohne daran zu denken, entfernten sie sich im Spiele immer weiter vom Hause, da sie über einen Ball in Streit geriethen; er gehörte dem kleineren Bruder und der wollte ihn haben, aber Ralph wollte ihn nicht hergeben. Georg schlug seinen Bruder, und dieser schlug ihn wieder. Während des Handgemenges und der Rauferei versetzte Ralph seinem Bruder mit ganzer Zonreskraft einen heftigen Stoß und stieß ihn in den tiefsten Theil des Wassers. O wie furcht­sam und erschreckt war er, als er den armen Georg im Wasser sah, wie er in Todesangst sich zu retten suchte. Er lief schreiend hinweg und in der Ver­wirrung konnte er zuerst sein Haus nicht finden, als er es gefunden und seine Mutter in Verzweif­lung hinter ihm herlief, ach, da war der arme Georg schon todt. Ist das nicht eine traurige Geschichte? sagt sie euch nicht, liebe Kinder, daß ihr euch sollt warnen lassen, daß ihr dem Zorn nicht Raum geben sollt, denn ihr wißt nicht, wozu er euch verleiten kann. Willst du böse und zornig werden, so denk schnell an Jesum, wie sanftmüthig und geduldig er war, bitte ihn, daß er dich sanft und liebreich mache, wie Er war.

12. Naschet nicht!

Kinder, laßt euch warnen: Naschet nicht. Ein Knabe hatte die üble Gewohnheit, überall zu naschen, wo er etwas bekommen konnte. Seine Mutter that alles Mögliche, um es ihm abzugewöhnen; aber es half durchaus nichts. Einmal spielte er im Garten, wo er einige sehr schöne Beeren sab, und glaubte, sie müßten auch schön schmecken, und so er sie: aber es waren giftige Beeren. Er ist krank geworden und der Arzt sagte, es würde lange dauern, bis er wieder ganz hergestellt werde. Der Knabe aber sagte: Ich will nichts wieder essen, ehe ich meine Mutter gefragt und sie mir erlaubt hat, es zu essen. Die schönsten Sachen sind oft die gefährlichsten.

Eines Tages holte ein Dienstmädchen etwas aus der Apotheke, welches aussah, als ob man es essen könne. Sie legte es einen Augenblick in die Küche und ging in's Zimmer, eine Tasse zu holen. Sobald sie den Rücken gewendet hatte, naschte das Kind, welches in der Küche war, etwas davon, und starb nach kurzer Zeit. Es war Rattengift. Der armen Mutter wollte das Herz vor Kummer zerspringen, sie weinte sich fast zu Tode. Sie hat das Kind oft genug gewarnt, nicht zu naschen, aber es ließ sich nicht warnen. Da seht ihr, Kinder, welch eine schlechte und gefährliche Angewohnheit das Naschen ist, und wie unrecht und todesgefäbrlich der Ungehorsam ist. Werdet doch dem Herrn Jesu ähnlich, der als Kind gewiß nie und nimmer genascht bat und nie unge­horsam war. Er hat nur gegessen, was man ihm i vorsetzte, und hat es auch uns so befohlen.Esset, was man euch vorsetzt", d. h. seid nicht lüstern nach Leckerbissen, sondern mäßig und genügsam mit dem Geringsten und zufrieden dabei. Seid gehorsam euern Eltern ohne Widerrede.

13. Früchte des Ungehorsams.

Archibald Aldey, das einzige Kind einer Wittwe, war sonst sehr ergeben seiner Mutter, nur j durch den Entschluß zur See zu gehen, betrübte er sie sehr. Da er wußte, daß sie sehr an ihm hing, und ihm daher die Einwilligung nie geben würde, so machte er sich in der Nacht, da sie schlief, davon und schlug, mit seinem Bündel in der Hand, den Weg nach einer Seestadt ein. Da er wohl unter­richtet und ein ansehnlicher Bursche war, so fand er bald eine Stelle als Schiffsjunge auf derMarianne", einem großen Schiffe.

Es war für Archibald sehr angenehm, zu sehen, wie die Matrosen anf dem Schisse hernmarbeiteten, die Segel aufhißten und einzogen, die spielenden Schildkröten und herumfliegenden Sturnlvögel zu betrachten. Da fühlte er sich glücklich. Als aber . der Kapitain, Steuermann und Matrosen anfingen ihn rauh zu behandeln, da schlug ihn sein Gewissen,