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auch dem Baume mit. Mein Baum steht aber an dem Theil der Wand, wo meine gewöhnlich kalte Schlafstube ist. Der Nachbar kann nicht anders, als dieser Erklärung seinen vollen Beifall geben.
Lieber Leser! ist dir's auch schon einmal ähnlich ergangen? Wenn auch nicht mit einem Kirsch- oder andern Fruchtbaum, den du mit eigner Hand gepflanzt und gepflegt hast, so doch vielleicht schon mit Bäum- lein, die der himmlische Gärtner gepflanzt und die er dir zur Pflege befohlen hat, — ich meine deine Kinder. Du lässest es nicht fehlen an dem Sonnenlicht zärtlicher Liebe, auch nicht an Zucht und Ver- mahnung, schickst sie auch fleißig in die Schule und hältst sie zu allem Guten an, — und doch will sich nicht die rechte Frucht zeigen, wie etwa bei den Kindern deiner Nachbarn oder deiner Freunde. Und du möchtest gern die Ursache wissen? Sieh', dein Herz ist die Wand, an welcher sich die Herzen deiner Kinder stützen und erwärmen sollen. Sollte es deinem Herzen vielleicht auch an der rechten Wärme fehlen? Ich meine nicht die Wärme der natürlichen Liebe, wie auch das vernunftlose Thier sie zu seinen Jungen hat, sondern ich denke an die Wärme, welche von oben her in dein Herz kommen muß, und welche doch am Ende allein den Namen der Liebe mit Recht verdient. Ich will dir sagen, woran du das prüfen kannst. Trägst du deine Kinder auf deinem betenden Herzen? Rufst du den Herrn täglich um Gnade und Segen für sie an? Strafst du sie mit Aufblick zum Herrn, daß er zu deiner Zucht Seinen Segen geben möge? Ermähnst du sie als vor Gottes Angesicht? Wenn nicht, so versuche es nur einmal recht, und ich zweifle nicht, die gewünschte Frucht wird sich früher oder später schon einstellen.
18. Sei höflich und bescheiden.
Ein stattlicher Kaufmann hatte zwei Knaben vor sich, die ihm zu Laufburschen empfohlen waren. Der erste kam in's Haus und behielt seine Mütze auf dem Kopfe, die Hände in den Hosentaschen, welches gewiß sehr unhöflich ist; er sah auch sehr
roh und grob aus. Auf die an ihn gerichteten Fragen antwortete er kurz: „ja" oder „nein!"
Der zweite dagegen war ein artiger Knabe, machte eine höfliche Verbeugung, als er eintrat, und wenn er gefragt wurde, antwortete er höflich und bescheiden. Der erstere war der stärkere und deshalb fähiger, größere Packete auszutragen, als der andere.
Nun, was meint ihr wohl, hat der Kaufmann den stärkeren gewählt? O nein — der Knabe, der seine Mütze abzog und höflich war, erhielt die Stelle. — Und wird nicht auch Gott dem HErrn Artigkeit und Bescheidenheit mehr gefallen, als Rohheit und Unart? Gewiß! Nur dem Demüthigen giebt Gott Gnade, dem Stolzen widerstehet Er. Wo steht dieser Spruch? schlag ihn mir auf und lies ihn. Wenn ihr euch zu Gott nahet und betet, müßt ihr auch allzeit demüthig, gebeugt und zerknirscht nicht nur von außen, sondern vorzüglich von innen, mit rcumü- thigem, gebeugtem Herzen erscheinen, so werdet ihr Gnade finden und allezeit erhört werden.
Ein Bauer in M. verstand sich vortrefflich auf die Wurzelkultur. Es war sonderbar, wenn die Wurzeln seiner Nachbarn unregelmäßig standen, so standen seine regelmäßig; wenn ihre kurz und dünn blieben, waren seine meistens lang und dick. Als er einmal einen ganzen Hausen seiner schönen Wurzeln auf der Diele liegen hatte, sprach grade einer seiner Nachbarn bei ihm ein. Er war ganz erstaunt über den reichen Wurzelsegeu und fragte den Bauer, wie er's doch einmal anfange, daß es ihm damit so sehr glücke. Unser Bauer, der gern einen Spaß machte, antwortete schmunzelnd: „Das will' ich dir sagen, Nachbar. Ich habe einen Zauberspruch, den spreche ich immer beim Säen des Wurzelsamens." — Aber Nachbar, den mußt du mir sagen, versetzte der Andere, den muß ich auch lernen. — „Sehr gern, er heißt: „einen Arm lang und ein Bein dick! einen Arm lang und ein Bein dick!" — und, wie du siehst,
19. Der Zailbcrsprnch.

