Von Jim Dick könnt ihr Sanftmut!' lernen und wie ihr Jedem vergeben müßt. Als er geschimpft wurde, blieb er nicht stehen und zankte mit denen, die ihn schlecht behandelten, sondern ging ganz ruhig fort, so macht's auch. Als er die Schlittschuhe zurück erhielt, las er die Bibel und hat wohl darin gelesen:Ein Geduldiger ist bester als ein Streiter", und:Laß dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."Liebet eure Feinde u. s. w." Undwas ihr wollt, daß euch Andere thun sollen, das thut ihnen auch;" schämt euch nicht von ihnen zu lernen; gebet sanfte Worte für böse; vergeltet Bosheit mit Freundlichkeit; so werdet ihr glücklicher sein, als wenn ibr euch dem Zom überlastet und die Hölle in eurem Herzen bauet.

Noch mehr aber als vom Negerknaben könnt ihr von Jesu lernen demüthig und sanftmüthig sein; der schalt nicht wieder, wenn er gescholten ward; ließ sich verspotten, anspeien und kreuzigen, und liebte seine Feinde und betete für sie. Er that seinen Mund nicht auf und ließ sich »wie ein Lamm zur Schlachtbank führen.

16. Tcr Korb mit den Spänen.

Zwei kleine Mädchen und ein Knabe, halb bekleidet, hielten mit ihren kleinen Händchen große Körbe mit Spänen auf denr Kopfe, zu schwer für sie, so daß die Last sie niederbeugte. Eins der Kinder trug hübsches Lockenhaar; manche reiche Dame hätte es ihrem eigenen Kinde wünschen mögen. Mit nackten Füßen gingen sie bei mir vorüber nach Hause, wo ihrer vielleicht Schläge warteten und spärliches geringes Essen, das bei diesen Spänen gekocht werden sollte; wo vielleicht auch ein betrunkener Vater oder eine schellende Mutter sie unter Fluchen zu Bette geschickt haben. Betet für solche arme Kinder und helft ihnen, wo ihr könnt. Ich sah einmal einen vornehmen Knaben einem solchen armen Kinde, das einen Korb mit Spänen auf dem Kopfe trug, einen Stoß geben, daß der Korb überstürzte. Ich gab dem vornehmen Herrchen einen derben Verweis.

Der arme Knabe setzte sich auf die nächste Treppe rmd blickte mit Thränen auf seinen Spänhaufen, mit wenig Lust ihn wieder aufzusammeln. So preßte der reiche Knabe dem armen Thränen aus, der nur zu sehr gewohnt war, welche zu vergießen. Das war sehr böse.

Ja ibr lieben Kinder, die ihr hübsche Häuser, schöne Kleider und recht wohlhabende Eltern habt, seid nicht stolz, verachtet die armen Kinder nicht, behandelt sie freundlich und macht ihnen ihr schon hartes Loos nicht noch schwerer. Warum ergeht es euch denn besser? wer weiß es mir zu sagen?

17. Die beiden Kirschbäume.

An der Wand eines Hauses standen zwei Kirsch­bäume. In dem Hause wohnten zwei Hausherren, der eine oben, der andere unten; einem Jeden ge­hörte ein Baum. Diese standen an einer und der­selben Wand, hatten dieselbe natürliche Wärme der Mittagssonne, hatten gleichen Schutz gegen Wind und Kälte, waren zu gleicher Zeit gepflanzt, waren von derselben Art; was wäre natürlicher gewesen, als daß sie auch ihre Früchte zu gleicher Zeit und von gleicher Güte gebracht hätten. Aber sonderbar, der Baum des oben wohnenden Hausherrn brachte seine reifen Früchte jedes Jahr ungefähr 8 Tage früher, als der andere, dazu waren sie nicht selten auch reichlicher und wohlschmeckender. Darüber wunderte sich der unten wohnende Hausherr sehr. Er war ein Pslanzcnkundiger, ein Gartenliebhaber und auch sonst ein sehr verständiger und nachdenkender Mann. Er mißgönnte seinem Nachbar die frühe und oft schönere Frucht nicht, aber er zerbrach sich den Kopf darüber, was doch wohl die Ursache davon sein könnte. Mancher Sommer ging vorüber und er fand's nicht heraus. Endlich kommt er eines Tages ganz fröhlich zu seinem über ihm wohnenden Nachbar und sagt: Nun weiß ich, warum dein Kirsch­baum besser trägt, als der meinige. Er steht an dem Theil der Wand, wo meine Wohnstube ist; die Wärme derselben im Winter theilt sich der Wand und