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40. Der Kohlcngräbcr-Knabe.

Ein Knabe wurde gefragt, worin seine Arbeit bestehe? Er versetzte:Ich lebe in den Kohlen­gruben und sitze jeden Tag von fünf Uhr Morgens bis Abends fünf Uhr ohne Licht neben einer kleinen Thür in dem dunklen Kohlengange, und sobald ich einen Korb mit Kohlen daher rollen höre, öffne ich die Thür mittelst eines Strickes , den ich in der Hand habe." Man fragte ihn auch, ob er sich kei­nen Zeitvertreib verschaffen könne: Er habe, ver­setzte er, einmal eine Maus gefangen das war die einzige Begebenheit seines Lebens. Er war 5 6 Jahre alt. Doch seine Hauptabsicht war, sich Licht zu verschaffen, und wie machte er das im dunklen Orte? Er bettelte von jedem, der durch die Thür kam, die er bewachte, ein Licht-Endchen, und wenn er eine hinreichende Anzahl solcher Endchen beisammen hatte, so zündete er sie alle mit einem Male an, und fragte man: wenn es nun helle ist, was thust du dann?

O," versetzte der Knabe,wenn's helle ist, so fange ich an zu singen."

Liebe Kinder, das ist eine einfache kleine Ge­schichte, aber es liegt eine Lehre darin, die ihr daraus schöpfen sollt, und diese besteht in Folgenden:

Wir haben oft Gelegenheit, an die armen Hei­den zu denken und von ihnen zu hören; sie sind gleich dem armen Kinde in der Kohlengrube, sie sitzen in der Finsterniß, in der äußersten geistigen Finsterniß. Denn sie sind ohne Gott, ohne Chri­stum, ohne Wort Gottes, ohne Hoffnung. Wir müssen ihnen Licht, Gottes Wort und Evangelium senden. Dazu müßt ihr auch helfen, ihr müßt um Licht-Endchen bitten und dann besonders um Aus- gießung des heiligen Geistes auf die Missionare und über die Heiden, d. h. eure Pfennige geben und euch welche dazu geben lasten, wie der Knabe von den vorbeigehenden Arbeitern. So traget ihr auch bei, daß das Licht des Evangeliums unter den Heiden verbreitet werde; und wenn dann die Hei­den glauben an Christum, so wird ihnen das ewige

Licht leuchten, und sie werden dem Herrn Lob singen, der sie aus der Finsterniß in sein wunderbares Licht versetzt hat, gerade so, wie der Kohlengräber-Knabe gesungen hat, wenn es in seiner finstern Grube durch das Anzünden der erbettelten Licht-Endchen helle geworden war.

41. Woher koiiiiiit's.

Vor Alters lebte ein Mann, der aufbrausend und schnell zum Zorn war, hernach aber gcreute es ihn wieder. Da dachte er:Das kommt von den bösen Menschen; ließen mich die in Frieden, so würde ich auch sanftmüthig sein. Darum will ich in den Wald ziehen und ein Einsiedler werden, so werde ich nicht mehr zum Zorne gereizt." So geht er fort in den Wald, sucht sich einen Ort, wo ein Brunnen vom Felsen herabrinnt, und will sich da eine Hütte bauen. Bei der Arbeit wird's ihm warm, und er trägt seinen Krug zum Brunnen und stellt ihn unter, damit er voll werde, der Krug aber fällt um. Da stellt er ihn zum zweitenmal unter. Der Krug fällt wieder um. Da wird er zornig, nimmt den Krug und zerschlägt ihn am Felsen. Als er nun den Henkel in der Hand hält und die Scherben am Boden liegen sieht, besinnt er sich und spricht:Ich Thor! Ich habe gemeint, der Zom komme in mich hinein; nun sehe ich, daß er aus mir herauskomnll. So hilft's nicht, daß ich in den Wald ziehe, denn mein Zorn ziehet mit; es muß vielmehr der Zorn durch Kampf und Gebet über­wunden werden, damit er aus dem Herzen ziehe."

42. Das lahme Pferd.

Vor nicht langer Zeit würde man einem Men­schen, der Pferdefleisch verzehrt hätte, mit Abscheu zugesehen haben. Da aber Pferdefleisch eben so gesund und nahrhaft als Rindfleisch ist, so werden jetzt in großen Städten auch Pferde in Menge geschlachtet, und die Fleischer liefern dadurch beson­ders den Armen eine eben so nahrhafte als gesunde und wohlfeile Speise.