23
sollen; denn es ist unsere Pflicht, bei dem Bettler nie zuerst darnach zu fragen, ob er unsere Unterstützung verdient, sondern ob er derselben bedarf?"
Emil sah sein Unrecht ein; er rief den Knaben, der noch in der Nähe war, zurück, und alle Kinder beschenkten denselben reichlich.
38. „Sie starb wie ein Lamm."
Auch Kinder, die gottlose Eltem haben, können den Heiland lieb haben. Ein Stadmissionär besuchte eine arme schmutzige Hütte; eine Frau, die dem Trunke ergeben schien, öffnete ihm die Thür, und als er ihr einen Traktat anbot, sagte sie, sie brauche Brod, und keinen Traktat. Im Jette von Lumpen sah er ein krankes Mädchen, 12 Jahre alt und dem Tode nahe. „Hast du Schmerzen?" fragte er; „Mitunter wohl," antwortete sie, „allein sobald ich zu Jesu bete, fühle ich es nicht." „Und wer lehrte dich beten?" fragte er. Sie erwiederte: „Vor zwei Jahren hat mich ein anderes kleines Mädchen zur Sonntagsschule mitgenommen, und da habe ich in der Bibel lesen und beten gelernt. Allein," setzte sie mit Thränen hinzu, „meine Eltern sind gottlos, fluchen und trinken und machen mich unglücklich. Beten Sie doch für sie, lieber Herr." Der Missionär fiel sogleich auf seine Kniee, und betete mit ihr neben dem Bette, las ihr dann aus dem Testamente vor, das unter den Lumpen ihres Bettes steckte. Zwei Tage später kam er wieder, das Lämmlein seines Meisters zu besuchen. Aber dasselbe war schon bei seinem Hirten — es war todt. Sie starb wie ein Lamm.
Liebe Kinder, liebet ihr Jesum? Betet ihr zu Ihm, wie dieses arme Mädchen? Wollt ihr nicht in den Himmel kommen? —
39. Liebst du Jesum?
Als der Heiland vom Tode erstanden war, fragte er dreimal den Petrus, der ihn dreimal ver
leugnet hatte: Simon, hast du mich lieb? Joh. 31, 15. Das ist dem armen Petrus sehr zu Herzen gegangen, er wurde endlich sehr traurig und sagte: - Herr! du weißt alle Dinge, du weißt, daß ich dich liebe. So schändlich seine Verleugnung war, so brünstig war seine Liebe.
Wenn nun Christus ein jedes von euch, liebe Kinder, fragte: Hast du mich lieb? was würdet ihr antworten? Könnet ihr sagen: Du weißt, Herr, daß ich dich liebe! Glaubt mir, Jesus fragt euch nicht, ob ihr alles, was er lehrte, versteht; nein, denn selbst die Engel durchschauen nicht die Tiefe seiner Weisheit. Er fragt euch nicht, ob ihr große Dinge für ihn thun konnt. Denn das haben einige gethan und haben ihn doch nicht lieb gehabt. Matth. 7, 22. Nein, er fragt nur, was jedes Kind durch seine Gnade kann, und was in sich selbst süß ist: Liebst du mich?
Wir vergessen viele Dinge, aber die letzten Worte eines sterbenden Freundes oder Vaters vergehen wir nicht so leicht. Nun hat der Heiland diese Fragen kurz vor seiner Himmelfahrt an Petrus und an uns alle gestellt — nachdem er am Kreuz gestorben und noch seine Nägelmale in Händen und Füßen zu sehen waren. Seht, will er sagen, ich habe euretwegen den Himmel verlassen und lebte in Armuth und Schmach hier, ohne so viel zu haben, worauf ich mein Haupt hinlegen konnte; ich litt Hunger und Durst, ward versucht und verspottet, gelästert, gegeißelt und gekrönt mit Dornen, und vergoß all' mein Blut für eure Sünden, damit ihr Frieden hättet; Gott warf alle eure Sünden aus mich, ich habe sie getragen, gebüßet, euch versöhnt und euch die Thür zum Himmel aufgethan — und ihr wollt mich nicht lieben?
Ein junger Mensch wurde auf seinem Sterbebette gefragt: „Was würdest du nehmen für deinen Antheil an Christo?" (d. h. wie theuer würdest du Christum verkaufen?) Er antwortete: „Nicht für eine Million Welten." Alle, die Christum lieben, lieben ihn über alle Dinge, mehr als alles Andere.

