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gegenseitiger Dienstleistung. Diesen findet man bei Leuten, denen man ein gutes Herz zuzuschreiben pflegt. — Die Vierten sagen: Was mein ist, ist dein! Das sind die Uneigennützigen, welche in der Liebe, die nicht das Ihre sucht, fremde Noth und fremden Mangel mittragen, als wäre es ihre eigene Last, die ihren Besitz als ein von Gott anvertrautes Gut ansehen, welches sie für Andere mit zu verwalten haben. — Zu der ersten und zweiten Klaffe gehören heutzutage Millionen, Wenige zu der dritten, wie Wenige zu der vierten! Und doch, ist man wirklich ein Christ, wenn man nicht zu der letzten Klaffe gehört? —
51. Mutter und Kind.
Es giebt Kinder, die Jedermann lieb hat, hingegen andere, die von Niemand geliebt werde». Woher kommt das? Eine fromme Mutter fragte einmal ihr liebes Kind, das sehr sanft, freundlich und einnehmend war: „Woher kommt es, daß Jedermann dich lieb hat?" Das Kind erwiederte: „Ich weiß es nicht; es möchte daher kommen, daß ich auch Jedermann lieb habe." Ja, das war es, darin liegt das Geheimniß. Willst du, daß Jedermann dich lieb habe, so habe auch du Jedermann lieb.
Vor einigen Jahren, so erzählt ein Mann, der in Indien lebte, zog ich von Bombay, wo wir wohnten, wegen der Gesundheit meiner Familie auf das Land, in ein Häuschen, welches in einem schönen Walde stand. Wir hatten ein kleines Mädchen, welches oft in diesem Walde spazieren ging, begleitet von unserm alten Diener, einem Eingeborenen. Eines Tages kamen sie zu einem Hindu- Tempel. Der Diener knieete vor einem steinernen Götzenbilde nieder und betete es an. Als er wieder zu dem Kinde kam, fragte ihn dasselbe: „Syamy, warum hast du das gethan? „O Miß," antwortete er, „das ist mein Gott!" — „Dein Gott?" erwiederte das Kind, „aber der ist ja von Stein, kann nicht sehen und nicht hören; mein Gott sieht und weiß Alles." — Noch oft gingen die Beiden in
den Wald, Syamy knieete jedesmal vor seinem Götzen nieder, und das Kind machte ihm jedesmal Vorwürfe darüber, dennoch liebte Syamy dasselbe sehr; als wir nach Europa reisen wollten, war er sehr traurig. „Was soll Syamy dann anfangen," sagte er, „er ist ganz allein, hat weder Vater noch Mutter, noch Geschwister hier?" „O Syamy," sagte das Kind, „wenn du meinen Gott lieben wolltest, dann wärst du nicht allein, Er würde dein Vater und deine Mutter sein." Der alte Diener versprach mit Thränen in den Augen, er wolle ihren Gott lieb haben. Nun war es rührend und lieblich anzusehen, wie der alte Mann von dem kleinen Kinde das Vaterunser, den Glauben und ein Morgen- und Abendgebet lernte. Eines Morgens, als die ganze Familie zur Andacht versammelt war, trat plötzlich ganz unerwartet Syanty in's Zimmer, nahm seinen Turban vom Kopfe, legte ihn auf den Boden, knieete nieder und sprach mit uns das Gebet des Herrn. Von dieser Zeit an ward er ganz anders; er ging nicht mehr in den Wald, um todte Götzenbilder anzubeten, sondern lernte mit großem Eifer lesen, um das Wort Gottes verstehen zu können. Er ward Christ, und hat hernach durch seinen Wandel bezeugt, daß er wirklich dem lebendigen Gott diente und Ihn über Alles liebte.
52. Die Störche.
Ein Lehrer machte mit seinen Schülern einen Spaziergang über einen anmuthigen Abbang, an dessen Fuße weite Wiesen lagen, die einen kleinen, klaren, mit Schilf umgebenen See im grünen Grunde einfaßten. Da bemerkten die Kinder eine ganze Schaar Störche. Die Einen standen auf einem Bein, ruhten und hatten den Kopf schlummernd unter die Flügel gesteckt; die Andern wandelten gravitätisch umher, suchend nach Nahrung; einige Junge neckten sich und liefen einander nach, mit den Flügeln schlagend, und Einer, der seitwärts auf einer Erhöhung stand, begann beim Anblick des Lehrers und der Kinder ein gewaltiges Geklapper

