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2 Kön. 4, 18. Wir sehen so viele kleine weiße Särge, so viele mit Gras bewachsene kleine Gräber, unter denen kleine Kinder liegen. Bist du bereit? —
60. Vorwitz wird oft hart gezüchtigt.
Ein kleiner Knabe, Namens Heinrich, hatte die üble Gewohnheit an sich, daß er überall der erste sein wollte, alles ganz in der Nähe sehen mußte, nichts unberührt ließ, und seine Ncugierde war so groß, daß er alles wissen wollte, worüber man sprach, und wenn die Dinge, über welche man sich unterhielt, ihm auch. noch so ferne lagen. Er war sonst ein gutes Kind, aber dieser schlimme Fehler des Vorwitzes machte ihn oft seinen Eltern widerlich und zog ihm manche Strafe zu.
Einst war eine Menagerie im Orte. Der Besitzer hatte außen an der Bude tinige Papageien und Affen ausgestellt, und besonders die letzteren erregten durch ihre Grimaffen Heinrichs Aufmerksamkeit im höchsten Maße. Er näherte sich den Thieren mehr, als rathsam war; einige Personen, darunter ein Menageriediener, warnten ihn, den Thieren nicht zu trauen, denn sie wären bissig und boshaft. Allein darauf achtete Heinrich wenig. Erst gab er den Affen Aepfel, mit denen er zu Hause sich reichlich versehen, und als diese von ihnen gefressen waren, griff er mit den Händen nach ihren Schwänzen und Beinen, neckte sie und hatte über ihr boshaftes Zähnefletschen eine übergroße Freude. Aber o weh! ehe er es sich versah, hatte ihn ein Affe bei der Hand, dann schnell bei den Haaren, biß, kratzte, würgte, riß, und wenn nicht schnell ein starker Knecht von der Dienerschaft des Menageriebesitzers dazwischen gesprungen wäre, wer weiß, was das ergrimmte Thier dem Knaben noch gethan hätte?
So entrann er unter dem Hohngelächter der rohen um die Bude stehenden Leute mit blutendem Gesicht, zerzaustem Haar und zerrissenen Kleidern und kam wehklagend" nach Hause, doch mit dem
Vorsätze, künftig den Vorwitz zu unterlassen. Und das that er auch gewissenhaft.
61. Quäle die Thiere nicht!
Ein Bauerknabe, dessen Vater oft junge Pferde aufzog, pflegte häufig mit diesen Thieren zu spielen und sie zu necken. Ost hatte ihn der Vater gewarnt und gesagt: „Die Pferde werden durch das Necken bös; sie nehmen üble Gewohnheiten, namentlich das Beißen, an!" Aber alles das half nichts. Einst hatte man auf dem Hofe ein besonders hübsches, munteres Füllen, mit dem Hans, der Knabe, deshalb gerne seine Späße trieb. Das Füllen mochte ihn deswegen nicht leiden und lief vor ihm davon, sobald es ihn erblickte. Aber einstmals erwischte es Hans bei dem Kopfe, hielt es fest und gedachte nun seinen Ucbermuth recht an ihm auszuüben. Das Füllen sprang, bäumte sich und versuchte auf alle nur erdenkliche Weise loszukommen; aber Hans hielt fest. Endlich ward das Thier böse, fing an zu beißen und erwischte Hans unglücklicher Weise an der Nase, deren Spitze es abzwickte. Von brennendem Schmerz durchzuckt, ließ Hans los und das Füllen entrann. Heulend kam der Knabe in das Haus. Aber statt da Theilnahme zu finden, wurde er vielmehr ausgelacht; und Zeitlebens mußte er mit abgestutzter Nase herumgehen.
62. Die Soniitagsschule.
Vor einiger Zeit reiste ich in Amerika in einer gebirgigen Gegend und hörte von einem Thale, wo es schrecklich wüste herginge. Ein Jüngling ward daselbst wegen Mord gehängt, und Vater und Verwandte feierten den Tag der Hinrichtung durch ein Gastmahl und Ball. Keine Schule ward da gehalten, die Jungen hatten die Lehrer mit Schlägen weggejagt. Man hatte wohl Versammlungen, aber nur um den christlichen Gottesdienst nachzuäffen und zu verspotten.

