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Ja, ja, das ist so, und vor zehn Jahren war es hier um nichts bester," sagte Herr D.,wir hatten keine Kirche, keine Schule. Da kam ein Prediger mit einem jungen Fräulein H., und dieses erbot sich Schule bei uns zu halten, und fing wirklich damit an. Es währte nicht lange, so wurde geklagt: die neue Lehrerin lese in der Bibel und bete mit den Kindern. Der Wirth, bei dem sie wohnte, bestand darauf, sie müsse fort: denn sie bete und singe geistliche Lieder und spreche in Einem fort vom Frommwerden. Da ging sie zu den Eltern der Schulkinder, um ein anderes Kosthaus zu finden; aber Niemand wollte sie nehmen, außer wenn sie ihr Beten und Singen aufgäbe. Sie kam auch zu mir und ich sagte endlich: Sie können bei mir wohnen, wenn Sie vor und nach der Schule in Ihrem Zimmer bleiben und das Singen unterlassen. Beten können Sie, so viel Sie wollen, nur lasten Sie es uns nicht hören. Sollten Sie dagegen handeln, so sind wir geschiedene Leute. Sie war mit Allem zufrieden zog unter mein Dach. Mir träumte nicht, welch ein Segen mir mit diesem bescheidenen Mädchen ins Haus kam. Die Kinder hingen ihr alle bald gewaltig an. Sie wollte ihnen auch am Sonntag Unterricht geben, womit wir sehr zufrieden waren. Da ist der Vortheil auf unserer Seite, dachten wir. Rein gekleidet und gewaschen gingen die Kinder jeden Sonntag zu ihr. Nach einiger. Zeit fiel's mir auf, daß meine Kinder sich so viel bei der Lehrerin aufhielten; ich entdeckte, daß sie mit Traktaten von ihr kamen, und fand, daß vom Frommwerden darin stehe.Aha, Däm­chen," dachte ich,jetzt habe ich dich. Unser Ver­trag ist gebrochen, du mußt fort." Das sagte ich ihr auch. Die Arme fing an zu weinen und sagte: Wollen Sie doch nur die Büchlein lesen wenn Sie dann,, noch so denken, so will ich Ihr Haus räumen." Ich saß nun schon in der Klemme; die Kinder schrieen alle, ich sollte doch ihre Lehrerin nicht wegschicken, und die Bücher, nein, die könnten sie nicht missen. Ich wurde ganz verwirrt und gab endlich nach.Gehen Sie wieder in Ihr Zimmer,"

sagte ich,ich will der Sache nachdenken." Nie werde ich das freundliche Lächeln vergessen, womit sie mir dankte, mir, der ich Schläge verdient hätte. Ich las die Traktate und fand mich verurtheilt gerieth in Unruhe und fühlte endlich, daß ich ein großer Sünder sei. Ich konnte es kaum mehr aushalten, sprach mit dem Fräulein allerlei über die Bibel, aber nichts von meiner Unruhe. Eines Abends aber konnte ich nicht anders, als mein ganzes Herz vor ihr ausschütten und sie fragen, ob noch Gnade für mich sei? Thränen flössen über ihre Wangen, sie faßte meine beiden Hände und sagte:O mein lieber Freund, wie bin ich so froh." Sie freuen sich noch," sagte ich,daß ich in solcher Noth bin?"O mein lieber Herr," erwiederte sie, das ist der Geist Gottes, der an Ihrem Herzen arbeitet!" Nun ging mir auf einmal das Licht auf. Alles, was mich geplagt hatte, begreife ich jetzt wie das A. B. C. Wir wollen niederknieen, dann beten Sie für mich," sagte ich. lind sie betete für mich. Und mir ward ein neues Herz gegeben. Es war auf einmal Alles anders mit mir."

63. Sei nicht liufbrmistiid.

Ein Edelmann zeichnete sich neben seiner Gut- müthigkeit leider auch durch eine ganz ausnehmend große Heftigkeit und Unüberlegtheit aus, so daß Verwandte und Diener es trotz seiner Güte bös bei ihm hatten und daß er oft ganz verkästen war. Einst trat bei ihm ein neuer Bedienter ein, den man schon vorher vom Charakterfehler seines Herrn in Kenntniß gesetzt hatte.Ich werde wohl mit ihm auskommen," sprach der pfiffige Bursche lächelnd. Und es ging in der That anfangs so ziemlich gut. Aber eines Sonntags war der Herr sehr übler Laune; es wurde Mittag, der Diener trug die Suppe auf, und da der Baron diese ein wenig zu stark gesalzen fand, so gerieth er in Wuth, nahm die Schüssel und warf sie zum Fenster hinaus. Als der Diener das sah, ergriff er auch den Braten und den Salatkumpen, den er eben hereintrug, und