warf alles ebenfalls in den Hof hinab; dann packte er das Tischzeug, schleuderte es zum Fenster hinaus, daß die Teller klirrend in Trümmer gingen, und wollte eben auch die Stühle auf demselben Wege hinausbefördern, als ihn der Baron, vor Wuth außer sich, an beiden Armen packte und mit den Worten anbrüllte:Kerl, was kommt Dir an? was machst Du?"Ich dachte, Euer Gnaden wollten heute im Hofe speisen, weil Sie die Suppe zum Fenster hinauswarfen!" sagte der Diener ganz rubig.

Der Baron starrte ihn erst noch lange sprachlos vor Wuth an; dann aber kam die Besonnenheit doch nach, er mußte selbst lachen und sagte beschämt: Es ist wahr, Fritz! ich will anders werden!"

64. Alter schützt vor Thorhcit nicht immer.

Ein reicher, aber geiziger Landmann beschloß, sich eine Taschenuhr zu kaufen. Er ging deshalb in die Stadt, suchte daselbst das Lager eines Uhr­machers auf und besichtigte deffen Ausstellung. Der Uhrmacher legte ihm Cylinder-, Spindel-, Anker­und dergleichen Uhren von Gold, Silber und Email vor, setzte ihm die Unterschiede aus einander und sagte ihm die Preise, und der Bauer nahm endlich die größte Ankeruhr, welche er für sich auswählte, da sie ihm wegen ihres auffallenden Umfanges am besten gefiel. Aber auch der Uhrmacher wäre aus dem letzteren Gnmde der Uhr gerne los geworden, sie war schon lange im Lager und Niemand mochte sie, weil sie allen Käufern zu groß war. Es begann also ein seltsamer Handel; der Bauer feilschte, der Uhrmacher ließ nach, aber nur pfennigweise, und betheuerte, es wäre sein bitterster Schaden, denn eine solche Uhr fände sich nicht mehr auf der ganzen Welt. Endlich nach langer Mühe wurden sie einig; der Bauer zahlte mit schwerem Herzen, griff aber, als er mit dem Zählen fertig war, nach einer der kleinsten Damenuhren und sagte:Herr, da ich Euch einen solchen Haufen Geld für die Uhr bezahlt habe, so werdet Ihr mir den kleinen Bettel da darein geben."

65. Das Mädchen und ihre Ziege.

Fünf Thaler hatte die kleine Helene in der Sparbüchse; die Eltern und der Großvater hatten ihr Etwa? geschenkt, auch hatte ihr die Mutter ein Fleißknäuel gewickelt; wenn nun Helene strickte, fiel bald ein Dreier, bald ein Sechser, auch wohl ein Groschen heraus nun hatte sie fünf Thaler: was sollte sie mit diesem Gelde anfangen? Sollte sie sich Bonbon oder Kuchen kaufen? oder ein schö­nes Band, eine neue Puppe? Helene sann und sann.

Da war Großvaters Geburtstag, der wohnte auf dem Lande, und acht Tage sollte Helene mit ihren Eltern bei ihm sein. Dort war es sehr schön;

eines Tages sah Helene vor einem Hause am Ende des Dorfes ein kleines Mädchen sitzen, das fleißig strickte, eine Ziege fraß neben ihr am Zaune die grünen Gräser ab. Jetzt stand das Kind auf, legte seine Arbeit fort und holte eine Schüffel mit Wasser, um die Ziege zu tränken. Helene trat näher und sagte:Du hast eine hübsche Ziege, ge­hört sie dir?" Das kleine Mädchen sah die Ziege zärtlich an und anwortete:Das ist ja unsere Grete; die ist so gut, alle Tage giebt sie uns einen großen Topf mit Milch, davon kochen wir Suppe; Mutter sagt, sie wüßte nicht, was wir anfangen sollten, wenn wir diese Ziege nicht Hütten, sie ernährt uns alle.". Helene spielte mit der Ziege, sprach auch mit dem Kinde und gewann Beide lieb.

Am andern Tage hoffte sie Kind und Ziege wie­der vor dem Hause zu finden, aber es war Nie­mand da. Sie ging deshalb in das Haus; in der Stube jedoch sah es traurig aus. Das arme Kind saß auf der Erde, die Ziege lag neben ihr, und hatte den Kopf in ihren Schooß gelegt, alle vier Füße von sich streckend, die Mutter stand wei­nend daneben. Jetzt zuckte die Ziege noch einmal, dann war sie todt. Das Kind weinte laut, die Mutter faltete die Hände und sagte:Ach, was sollen wir nun beginnen; Herr, hilf Du!" Helene war eingetreten.Was ist denn geschehen?" fragte Helene,gestern sprang die Ziege noch so munter

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