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umher!" „Ja, sie wird ein giftiges Kraut ge- freffen haben," antwortete die Mutter, „sie blökte jämmerlich und nun ist sie todt." „Könnt ihr^euch denn keine andere Ziege kaufen?" versetzte Helene. „Ach nein," war die Antwort, „wir haben kein Geld; nun können wir uns keine Suppe mehr kochen. Ach, die Grete gab so viele und schöne Milch!"
Helene eilte zu ihrer Mutter, — „Nicht wahr," fragte sie, „mit meinem Gelde kann ich machen, was ich will?" „Ja wohl," antwortete diese. „Nun," sagte Helene, „dann kaufe ich mir keinen Kuchen, keine Puppe oder dergleichen, sondern ich kaufe den armen Leuten eine Ziege." Die Mutter freute sich darüber. Am andern Tage saßen die armen Leute traurig in ihrem Häuschen, da blökte es vor der Thür; sie öffneten, da stand, — ja da stand wirklich eine neue Ziege, und sah gerade so aus, wie die alte Grete; sie hatte einen Blumenkranz um den Hals und auf einem Zettel standen die Worte:
O macht mir auf und laßt mich ein,
Ich will nun eure Grete sein.
Wer aber war wohl am fröhlichsten, die armen Leute — oder die kleine Helene?
Geben ist seliger als Nehmen. Math. 5, 7.
66. Wohin gehöre ich?
Als der König von Preußen auf einer Reise in einem kleinen Orte festlich empfangen wurde, waren auch die Schulkinder versammelt und ein Mädchen begrüßte ihn mit einem Gedicht, welches sie hersagte. Der König hörte freundlich zu, sagte dann aber scherzend zu dem Kinde: „Was du mir da hergesagt hast, ist sehr schön; aber das ist nicht aus dir gekommen, das haben dich deine Lehrer gelehrt; ich will einmal sehen, was du selber kannst."
— Der König nahm darauf ein Goldstück, hielt, es dem Kinde hin und fragte: „Wohin gehört das?"
— Das Kind antwortete schnell und bestimmt: „Das gehört in das Mineralreich!" — „Sehr gut!"
sagte der König, wandte sich. dann an ein zweites e
Kind und fragte, indem er demselben eine Apfelsine e
zeigte: „Wohin gehört die Apfelsine?" — „Jn's Pflanzenreich!" lautete die Antwort. Da sagte der König, der über die unbefangenen und richtigen *
Antworten sichtlich erfreut war, zu einem dritten Kinde: „Dir will ich aber eine schwere Frage vorlegen. Sag' mir, wohin gehöre ich?" Das Kind t
sah sich den König erst einen Augenblick schweigend t
an, dann antwortete es: „Jn's Himmelreich!" Der J
König, überrascht und bewegt, ergriff das Kind, hob s
es in die Höhe und küßte es. — Ps. 100, 3. l
67. Der Stildent und der Schreiber.
Junge Leute gefallen sich häufig darin, ohne k
Noth Brillen zu tragen. Das ist eine Thorheit, <
welche sie unterlassen sollten, denn sie verderben ,
dadurch ihre Augen und werden kurzsichtig, andere Nachtheile und Unbequemlichkeiten ganz abgerechnet. I
Vor nicht langer Zeit ereignete sich in einer ,
Universitätsstadt eine lächerliche Geschichte. Einem Studenten, der eine blaue Brille trug, begegnete ein Schreiber mit einer grünen auf der Nase.
„Ich bitte Sie um Auskunft, wo der Universitätsrichter wohnt, sagte der Schreiber höflich. „Hier, gleich neben an!" sprach der Student. „Also in dem grünen Hause;" sagte der Schreiber. „Dummes Zeug, rief der Student, „das Haus sieht blau aus!" „O bitte, es ist grün!" sagte der Schreiber 'zornig. „Blau ist's, sage ich Ihnen!" „Und grün ist's, sage ich!" rief der Schreiber boshaft. „Sie sind ein Dummrian!" „Und Sie ein bornirter Grobian!" schrie der Schreiber wüthend. Allein o weh, er sollte erfahren, daß er unbewußt recht geredet, denn das Wort war kaum aus seinem Munde, so hatte er eine tüchtige Ohrfeige.
Es war heller Mittag, die Polizei in der Nähe; man ergriff also beide sich balgende Hitzköpfe, führte sie vor den Universitätsrichter und da kam die Sache zum Verhör. Da gab es großes Gelächter, als beide junge Hitzköpfe ihre Thorheit selbst

