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brachen, die Türken im freien Felde angriffen und in schimpfliche unaufhaltsame Flucht jagten.
72. Die sanfte Anna.
Voll jugendlichen Uebermuthes sprang Hans, ein Knabe von etwa sieben Jahren, ini Garten seiner Eltern herum. Er hatte einen Stab in der Hand, den sah er wohl für ein Schwert und die Hecken und Fliederbüfche für Heiden oder Türken an, weil er so gar grimmig darein schlug. Aber endlich ward es ihm langweilig, er sprang auf Anna zu und rief heftig: „Du mußt jetzt mit mir spielen." Das gute Kind, welches eine Arbeit für den Geburtstag des Vaters machte, sagte: „Ich kann jetzt noch nicht; später gerne, lieber Hans." Durch diese Weigerung erzürnt, führte der wilde Bube einen Schlag nach Anna; er wollte es wohl nicht, aber das Unglück fügte es, daß er Anna auf den Kopf traf. Wie wimmerte das gute Kind vor Schmerzen! Hans crschrack, weinte auch, betheuerte hoch, es nicht so bös gemeint zu haben und rief: „Da, Anna, nimm den Stock und schlage mich, so arg du willst und kannst! Nur sei mir wieder gut."
„Nein, lieber Hans," sagte Anna durch Thränen lächelnd, „so könnte ich dich nicht schlagen; es thut zu weh!"
73. Naemi.
Zu Benares in Ostindien lebte Ram Rutten, ein angesehener Hindu und von Kindheit an ein eifriger Götzendiener. Da fiel einmal ein Tractat, der ihm von Gott dem Herrn erzählte, in seine Hände, er las und wünschte mehr von der Wahrheit zu hören. Er reiste umher, um einen Lehrer zu suchen; ein eingeborner Christ, den er traf, wies ihn zu einem Missionar. Er war aber zu stolz, konnte sich nicht gleich demüthigen, an Christum, den Heiland der Sünder, zu glauben. Er verließ den Missionar und gesellte sich zu den Feinden des Evangeliums, fand aber keinen Frieden, kam bald
wieder und sagte, er könne der Wahrheit nicht länger widerstehen. Von da an lebte er als ein treuer Christ, ließ sich taufen und wählte den Namen Nathanael, weil er sich vornahm, gleichwie Nathanael ein Mann ohne Falsch zu sein. Seine drei kleinen Knaben nannte er: Abel, Noah und Moses, denn er liebte die Namen der Bibel für sich und seine Kinder.
Sein Weib konnte, wie alle Hindufrauen, weder lesen noch schreiben, aber, was noch viel schlimmer war, sie wollte nichts vom Herrn Jesu wiffen. Ihr Mann betete viel, daß der Herr ihr doch das Herz öffnen möchte, wie Er es einst der Lydia that. Allein es schien vergeblich; sprach Jemand mit der Frau von Christo, dann wandte sie sich verächtlich ab und sagte: „Pfui, was ist das für ein Gott, der am Kreuze stirbt! ich werde mich nie so demüthigen, an solch' einen Gott zu glauben." Doch Gott ist treu, er klopfte Tag für Tag mit der Predigt des Wortes an ihr Herz, er nahm ihr dann ihren Mann, der fröhlich im Glauben an seinen Heiland starb und noch auf dem Todtenbette seine Frau beschwor, ihr Herz zum Herrn zu wenden. Sie aber blieb kalt und hart, auch als ihr ältester Sohn erkrankte und starb. Selbst als ihr zweiter Sohn von einer Krankheit dahingerafft wurde, wollte sich ihr stolzes Herz noch nicht beugen. Doch nur wenige Wochen später erkrankte auch das jüngste Kind. Da brach der Trotz der Frau, in wahnsinniger Angst nahm sie das Kind, eilte damit zum Missionar und rief: „Rette, rette mein Kind!" Der Missionar sah schon die Spuren des Todes auf des Kindes Antlitz und sprach: „Hier kann Niemand mehr helfen, als allein der Herr, unser Gott; an Den wende dich." „Geben Sie doch Arznei!" jammerte die Frau, und der Missionar that es endlich. Sie eilte mit dem Kinde nach Hause; der Missionar folgte ihr und sah, wie das sterbende Kind auf dem Bette lag; die Mutter kniete davor, verbarg das Gesicht in den Händen und rief: „Ich will mich demüthigen, ja Herr, ich will mich demüthigen." Nach einer Weile erhob sie sich und sagte: „Die Taube ist entflohen." Keine Klage

