50

her vom Herrn Grafen Burgstein empfangen hatte! Sie müssen sich ja dessen erinnern, gnädige Frau!"

Die Großmutter gab keine Antwort, denn der freu­dige Schrecken über die gewiß sichere und wahrhafte Aus­sage des alten, treuen Wachtmeisters benahm ihr die Sprache. Severin aber jubelte laut und rief in der Freude seines Herzens:Hab' ich's nicht gesagt, Groß­mutter? Siehst du nun, warum er heute früh erschrak und blaß wurde, als ich ihn mit der Gerechtigkeit des Himmels bedrohte? Ja, ja, das Gewissen schlug ihm, und nun, da der gute Franz hier ist, nun wird auch die Wahrheit schon an den Tag kommen! Ach, Großmutter, welches Glück, wenn wir auf unser schönes Schloß zu­rückkehren ! Wenn ich wieder im Garten umherspringen und unsere Wälder frei und ungehindert durchstreifen kann. Gewiß, Großmutter, der Mensch da ist ein Betrüger, und der Lohn für seine Schlechtigkeit wird ihn ereilen!"

Nicht so rasch, nicht so rasch, mein Kind!" erwi­derte die Großmutter und schüttelte das ehrwürdige greise Haupt.Gewiß, ich zweifle nicht an der Wahrheitsliebe unseres braven, alten Franz; aber, mein Sohn, er kann irren! Erinnere dich nur, daß wir nirgend eine Quit­tung von Braun vorfanden, und daß er im Besitze aller Schuldverschreibungen deines seligen Vaters war!"

Dann sind die Schuldverschreibungen ein neuer schänd­licher Betrug gewesen!" rief der alte Wachtmeister aus. Dem Halunken ist Alles zuzutrauen, und ich traue ihm Alles zu! Gnädige Frau, ein Irrthum von meiner Seite ist hier gar nicht möglich! Nicht nur, daß ich zugegen war, als Braun das Geld empfing, die Quittungen aus­stellte und die Schuldscheine zurückgab ich habe auch noch nachher mit meinem seligen Herrn Obersten manches Mal über die Sache gesprochen, wenn wir auf der Jagd oder sonst allein waren, und da hat mir der gnädige Herr die Versicherung gegeben, daß er sich nie wieder mit dem schlechten Advokaten in ein Geschäft einlassen würde, weil er gar zu arg von ihm hintergangen und betrogen wor­den sei. Zuerst beim Kauf der Mühle, und nachher mit