würde ich wenig an Essen und Trinken gedacht haben! Aber der Mensch ist eben ein schwaches Geschöpf."
Mittlerweile brachte Severin in Eile Wein und kalte Küche herbei, und der alte Wachtmeister erkalte sich sehr schnell wieder.
„Nun ift’S schon vorbei," sagte er und schob Teller und Gläser auf die Seite. „Aber, gnädige Frau, nun möchte ich auch gern erfahren, wie es zugegangen ist, daß der schlechte Mensch, der Betrüger von Wittwen und Waisen, der Advokat Braun, der Herr des Schlosies geworden ist, und wer Sie dazu gedrängt hat, daß Sie es verkaufen mußten. Ich traue dem Burschen nicht und habe meine guten und triftigen Gründe dazu."
„Gott allein weiß, ob er ein so schlechter und verworfener Mensch ist, wie d» zu glauben scheinst, alter, ehrlicher Franz," entgegnete die Großmutter — „aber so viel freilich ist gewiß, daß der Mann übel an uns gehandelt hat, denn er selber ist ja der einzige Dränger, dem wir unser ganzes Leide» zuschreiben müssen. Mag er's dereinst vor Gott verantworten, wenn er kann."
„Ei!" rief der alte Wachtmeister, und seine Stirn überzog sich mit flammender Zorncsröthe — „Er ist der Dräuger? Himmel, warum hab' ich das nicht gewußt, als ich oben war und er mich so frech in's Angesicht hinein belog! Aber wie ist das möglich, gnädige Frau?"
„Das ganze Unglück schreibt sich noch vom Ankauf der Mühle her," sagte die Großmutter. „Du wirst dich erinnern, Franz, daß mein Sohn damals das Geld dazu von Braun entlehnte. Jetzt behauptet nun Braun, das Geld sei ihm nicht zurückbezahlt worden, und . . ."
„Was? Nicht zurückbezahlt?" schrie der ehrliche Wachtmeister aus. „Ei, so schlage der liebe Herrgott mit einem Donnerwetter drein! Ich, ich, gnädige Frau, habe mit diesen meinen Augen gesehen, daß der selige gnädige Herr dem Schurken Alles bezahlt hat bei Heller und Pfennig, mit Zinsen und Allem! Da auf dem schwarzen Pulte lag das schöne Gold aufgezählt nebst Staatspapieren und dergleichen, wie es der gnädige Herr ein paar Tage vor-
Heule wir, morgen dir. 4

