stellen. Denke an das, was wir gestern gesprochen haben."
„Ja, du hast Recht," entgegnete Severin. „Muth und Geduld! Heute mir, morgen dir! Die Reihe wird auch einstens an uns kommen."
Es war nun nicht weiter die Rede von dem Schlöffe und seinem neuen Eigenthümer. Severin und die Großmutter kümmerten sich nicht um ihn, und auch Braun hütete sich, den Betrogenen unter die Augen zu treten. Er lebte in seinem Schlöffe, wie der Dachs in seiner Höhle, und verließ es nur, um täglich einen Spaziergang nach den Ruinen des Hohensteins zu machen. Er ging dorthin immer allein, nicht einmal sein Diener durfte ihm folgen, und kein Mensch wußte daher, was er dort in den alten Trümmern vornahm. Ging ja einmal zufällig ein Landmann oder ein Holzfäller vorüber, so sah er Braun entweder auf den Ruinen sitzen oder stieren, wilden Blicks zwischen den alten Mauern umherstreifen, und wunderte sich, daß der neue Schloßherr eine so absonderliche Zuneigung für die unheimliche Wüstenei gefaßt habe. Still schlich Jedermann, der ihn sah, in den Forst hinein, denn kein Mensch im Dorfe empfand eine große Zuneigung für den Schloßherrn, der die alte gute Herrschaft aus ihrem Besitzthume vertrieben hatte.
Severin und seine Großmutter erfuhren übrigens kaum diese seltsame Gewohnheit Braun's, täglich, das Wetter mochte sein, wie es wollte, in die Ruinen zu laufen, oder wenn sie davon hörten, so achteten sie so wenig darauf, wie auf das übrige Treiben jenes Mannes. Sie lebten still und ruhig bei einander, und wenn sie ja einmal von der Vergangenheit sprachen, so geschah es nur, um sich ihrer Lieben und des alten Wachtmeisters zu erinnern, auf dessen Rückkehr Beide mit einer Zuversicht hofften und rechneten, welche ganz unerschütterlich war.
Indeß, diese so sehr erwünschte und herbeigesehnte Rückkehr verzögerte sich lange Zeit. Jahre gingen darüber hin, und nicht einmal eine Nachricht irgend einer Art kam Severin und der Großmutter zu Ohren. Franz mußte

