74

Mehrere Tage vor der Reise wurde es der Familie vom Vater feierlich angezeigt, damit sich ein jeder auf die ihm fehlenden Bedürf­nisse besinnen und sie aufschreiben könne. Am Abend vor der Abreise brachte alsdann Groß und Klein ein Verzeichniß der Sachen, die er eingekauft zu haben wünschte, als: Bänder, Nadeln, Zwirn, wollenes und bauinwollcnes Garn, Seide, und mancherlei andere Dinge. Am längsten war immer Luisens Verzeichniß, denn sie mußte nach einer genauen Durchsicht des Kellers und der Speisekammer alle Artikel verzeichnen, von denen kein hinreichender Verrath mehr da war. Auch was vom Küchengeschirre fehlte oder schadhaft geworden war, als Töpfe, Kessel, Wannen, Eimer u. dergl., mußte sie angeben. Die Mutter hatte die Tücher, Kattune, Mousseline, den Parchent, Piquet, Flanell, die Schuhe, Pantoffeln und andere Kleidungsstücke, die für die Mitglieder der Familie nothwendig geworden waren, zu besorgen.

Wenn nun dies alles geordnet, auch Friedrich noch einmal er­innert war, ja recht früh mit Wagen und Pferden bereit zu sein, so legte man sich, früher als gewöhnlich, zu Bette, um mit dem däm­mernden Morgen die Reise antreten zu können. Luise war gewöhn­lich die erste, welche erwachte, die Anderen weckte und dann den Kaf­fee und das Butterbrot bereitete. War der Himmel heiter und ver­sprach er einen schönen Tag, so bestieg man wohlgemuth und fröhlich den Wagen; war er aber trübe und drohete mit Regen, so wurde mit dem bösen Himmel gegrollt, daß er auch gerade heute seine Stirn in so mürrische und düstre Falten zog. In diesem Fall versah man sich mit Mänteln und Schirmen, denn der Wagen war offen und ge­währte keinen Schutz gegen Sturm und Regen.

Gewöhnlich wurden sie, wenn sie der Stadt sich näherten, von dem muntern Ferdinand überrascht. Dem war der Markttag im- mer ein Festtag. Dann sah er ja seine theuren Eltern, seine geliebten Schwestern wieder, hörte so Manches von dem lieben Ort seiner Geburt, und erhielt viele willkommene Geschenke. Er konnte kaum ihre Ankunft erwarten. Mit der ersten Morgenröthe war er aufgestanden, kleidete sich schnell an, ergriff seinen Stab, und stiefelte zum Thor hinaus. So kam eS, daß er die Eltern bisweilen auf der Hälfte des Weges schon antraf. Auch diese forschten schon früh, ob der rüstige Wanderer nicht komme, und es erscholl ein lautes Jubeln