79
Tages mit seinen Schellen davonfliegen. So muß ich wenigstens nach zwanzigjähriger Erfahrung in der edlen Falknerkunst Deinen armen Geierfalken beurtheilen, dem es indessen nicht an allen guten Anlagen zu fehlen scheint."
Gleich bei den ersten Worten dieser sonderbaren Anrede sah der Jüngling den Offizier ganz verwundert mit seinen großen blauen Augen an, da ihm seine Rede, trotz der technischen Richtigkeit der Ausdrücke, ganz unverständlich war; doch als er nun den Vogel, den jeder Falkner auf den ersten Blick für einen Edelfalken erkennen mußte, einen Geierfalken schimpfen hörte, glaubte er mit irgend einem jener anmaßenden Ignoranten zu thun zu haben, die den Männern von Fach ihre gründlichsten Kenntnisse streitig zu machen suchen und zuckte daher nur ohne weitere Antwort mitleidig die Achseln, indem er sich von dem Redner wegwandte.
„Teufel!" fuhr der Mann mit dem weißen Federbusche fort, den diese Geringschätzung seiner Ansicht und Meinung in Bezug auf den Falken ärgerte, habe ich denn so schlecht geredet, daß ich nicht einmal einer Antwort werth bin? Ich habe doch, beim heiligen Hubert! meine Kenntnisse und meine Geschicklichkeit auf Parforcejagden und beim Treibjagen, sowie auch bei Höheren und Niederen bewährt, und viel erfahrnere Jäger als Du haben meinen Rath und meine Meinung nicht verachtet."
Der Jüngling erröthete und schien sich im ersten Augenblick durch diese Worte beleidigt zu fühlen; er unterdrückte indessen seinen Zorn und antwortete, indem er aufstand, sehr trocken: „Ich kenne Euch nicht, mein Herr, und habe mit Euch nichts zu schaffen. Hätte ich aber Zeit, hier länger zu verweilen, so müßte ich Euch vielleicht bitten, Euern Ton und Euer Benehmen zu ändern, da beide mir keineswegs gefallen. Alles, was ich Euch sagen will und muß, ist, daß Ihr, mögt ihr auch in der Jagdkunst noch so erfahren sein, doch

