Ueber diese Antwort war unser Laurentius nicht wenig erfreut; denn er merkte aus derselben, daß Henriette, welche hier vor ihm stand, die Schwester desjenigen Knaben war, dem er vor ungefähr einer halben Stunde den Weihnachtsthalcr geschenkt hatte. „In dem Hause, aus welchem diese zwei Kinder sind," — dachte er bei sich selbst — „muß große Noth, aber zugleich auch viel Liebe, Güte und Frömmigkeit herrschen. Das sind ja wirklich recht brave Kinder. Christus sprach einst: „Solchen Glauben habe ich in Israel nicht gesunden!" — ich aber habe dergleichen Liebe zu den Aeltern in meinem ganzen Leben auch noch nicht gefunden! — Was willst Du denn für Deine Puppe haben, mein liebes Töchtcrchen?" — sprach er ganz freundlich zu Henriette — „ich will sie Dir abkaufen!" — „Ach ja, thun Sie das, mein gütigster Herr!" — cntgegncte sie ihm. „Sie haben wahrscheinlich auch kleineKinder zu Hause und denen ist es vielleicht einerlei, ob sie mit einer ganz neuen oder mit einer ein Paar Monate alten Puppe spielen, sie ist ja noch gar nicht beschädigt. Geben Sie mir dafür, was Sie wollen!" — Laurentius hatte noch einen ganzen Thaler bei sich und überzeugt, daß er hier gut angewendet sei, gab er denselben dem wartenden Mädchen mit der Mahnung, sogleich damit nach Hause zu gehen und dem kranken Vater sowohl, als auch der guten Mutter das Nöthigste zu kaufen, und versprach, am andern Tage selbst zu den Aeltern zu kommen. Die Puppe aber nahm er zu sich, damit Henriette wirklich sage» konnte, sie habe ihr Liebstes für die theuern Aeltern, für den guten Vater aufgeopfert. — Beide
der Fabrikbesitzer und Henriette — gingen nun scelcnvcrgnügt ihren Wohnungen zu, Laurentius, weil der zweite Thaler in seiner Tasche ebenfalls so schnell zum „Weihnachtsthalcr" geworden war, und Henriette, weil sie voraus sah, daß sie zu Hause eine recht große Freude anrichten würde.
Mit fröhlicher Miene begrüßte bald darauf Henriette ihre Mutter,

