„Ich würde aber doch viel Sorge um ihn haben, ob er auch fromm werden möchte."
„Höre, Dortchen, Du bist schon seil lange so besonders schwer- müthig gewesen. Wenn ich die Wahrheit sagen soll, so »nächst Du mich um Dich sehr bekümmert. Warum suchst Du jetzt so gern die Einsainkell und fliehest den Umgang mit den Menschen? Meine Schwestern glauben, Du habest sie gar nicht mehr lieb."
„Und doch liebe ich sie noch recht und von ganzem Herzen."
„Du weinst auch vst, als wenn Dir ein besonderes Unglück ge schehen wäre, und das thut mir leid: ich werde dann auch traurig. Hast Du etwas auf dem Herzen, das Dich quält? Sag eö mii. Ich werde Dir Ruhe schaffen, es koste auch, was es wolle."
„Nein, ich bin nicht unglücklich, lieber Wilhelm, ich bin auch gar nicht unzufrieden. Ich habe Dich lieb, ick, habe unsere Eltern und Schwestern lieb, ja, ich habe alle Menschen lieb. Aber ich will Dir sagen, wie es mir ist. Wenn ich im Frühlinge sehe, wie Alles aus geht: die Blätter an den Bäumen, die Blumen auf den Feldern und die Kräuter in den Gärten, so ist mir, als wenn das Alles mich gar nichts anginge: es ist mir dann, als wenn ich in einer Welt wäre, in welche ich nicht gehörte. Sobald ich aber ein gelbes Blatt, eine verwelkte Blume oder dürres Krallt finde, dann kommen mir die Thränen in die Augen, und doch fühle ich mich dann so wohl, daß ich es Dir gar nickt beschreiben kann. Sonst machte mich das Alles betrübt und ich war nie fröhlicher, als nur im Frühlinge."
„Das kann ich mir nicht erklären, nur so viel weiß ich, daß es »»ich recht sehr schmerzt tlnd mir viel Sorge macht." —
Indem sie so redeten, kamen sie zu den Ruinen deS Schlosses, aus die Seite des Berges, und empfanden da die kühle Lust vorn Rhein her und sahen, wie sie mit den langen dürren Grashalmen und Epheu blättern an den zerfallenen Mauern spielte. „Hier ist mein liebster

