Beinahe anderthalb Jahr war Heinrich Stilling alt, als Dort­chen an einem Sonntage Nachmittag ihren Mann ersuchte, mit ihr nach dem Geisenberger Schlosse zu lustwandeln. Noch niemals hatte ihr Wilhelm etwas abgeschlagen und er erfüllte auch diesmal gern ihren Wunsch. So gingen sie denn Schritt vor Schritt unter dem kühlen Schatten der Bäume und dem vielfältigen Zwitschern der Böget den Berg hinaus. Dortchen fing an:

Was meinst Du, Wilhelm, werden wir uns auch im Himmel wieder erkennen?"

£ ja, liebes Dortchen! Christus sagt ja von dem reichen Manne, daß er Lazarus in dem Schoose Abrahams auch gekannt habe und noch dazu war der reiche Mann in der Hölle: daher glaub' ich ge wiß, wir werden uns in jener Ewigkeit erkennen."

O Wilhelm, wie sehr sreue ich mich, wenn ich daran denke, daß wir dann die ganze Ewigkeit hindurch ohne Kummer und in lauter himmlischer Lust werden bei einander sein. Ich denke auck immer, ich würde mich im Himmel ohne Dich nicht selig fühlen. Ja, lieber Wilhelm, gewiß werden wir uns dort oben kennen, lind ich wünsche das auch so herzlich; Gott hat ja meine Seele und mein Herz gemacht, daß ich diesen Wunsch hege; er würde Beides nicht so geschaffen haben, wenn ich unrecht wünschte und wenn es nicht jo wäre. Ja, ich werde Dich unter allen Menschen suche» und Dich unter allen auch finden und erkennen und dann werd' ich selig sein!"

Wir wollen uns bei einander begraben lassen, so brauchen wir nicht lange zu suchen."

£ möchten wir doch in einem Augenblicke sterben! Aber wo bliebe dann mein lieber Junge?"

Der würde hier bleiben und gut erzogen werden und endlich auch zu uns kommen."