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funft; am Abende sagte er: „Höre, mein Sohn! Du mußt auch Deine Großmutter besuchen, welche an der Gicht darnieder liegt und nicht lange mehr leben wird. Sie redet immer viel von Dir und wünscht, Dich vor ihrem Ende noch ein mal zu sprechen."
Am solgenden Morgen ging Heinrich Stilling nach Ticsenbach zu seiner lieben Großmutter. Ihm ward ganz sonderbar zu Muthe, als er das alte Schloß, den Giller und das Dorf wiedersah, und als er nun endlich gar in das ehrwürdige Haus seiner Vater trat, da war es ihm, als ob er in ein Gotteshaus käme. Seine Muhme Elisabeth war gerade in der Küche, sie lief auf ihn zu, gab ihm die Hand und führte ihn in die Stube. Da lag nun seine blinde Großmutter Margarethe in einem saubern Bette an der Wand in der Nähe dcS Ofens. Stilling ergriff ihre Hand und fragte mit Thränen in den Augen: „Wie gcht's, liebe Großmutter? Es ist mir eine wahre Seelcnfreude, daß ich Euch noch ein mal sehen kann!"
Margarethe suchte sich aufzurichten, fiel aber ohnmächtig zurück. „Ach!" rief sie, „ich kann Dich noch ein mal vor meinem Ende hören und fühlen, komm doch näher zu mir, daß ich Dein Angesicht berühren kann."
Stilling bückte sich zu ihr nieder und sie befühlte nun seine Stirn, seine Augen, seine Nase, seinen Mund, sein Kinn und seine Wangen. Indessen gerieth sie mit ihren von der Gicht ganz steif gewordenen Fingern auch in seine Haare und fühlte da den Puder. „So," sagte sie, „Du bist der Erste in unserer Familie, der seine Haare pudert, sei aber nicht der Erste, der Gottesfurcht und Redlichkeit vergißt!" — Nach einer Weile fuhr sie fort: „Nun kann ich Dich mir so deutlich vorstellen, als ob ich Dich mit Augen sähe; erzähle mir nun auch, wie es Dir ergangen ist und wie es Dir jetzt geht."
Stilling erzählte ihr Alles kurz und bündig.
Als er ausgeredet hatte, sprach Margarethe tief bewegt die gold-

