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Stilling setzte auch in Marburg seine Augcnopcrationcn mit vie- lcm Glücke und ganz unentgeltlich sort und weit über hundert Blinde, größtentheils arme Arbeitslcute, erhielten durch ihn das Licht ihrer Augen wieder. Die glücklichsten Stunden bereitete ihm der Gedanke, so vielen Menschen wohlgethan zu haben; er dankte Gott für den Segen, den er zu diesem Werke gab, wie er denn selbst das Andenken des ehrwürdigen Molitor segnete, der ihn einst zum Augenarzt bildete, oder ihm doch die erste Veranlassung zum Studium der Arzneiwissenschaft gab.
Stillings Lcbensschiff war nun in den Hafen der Ruhe eingelaufen, nachdem es so lange Zeit hindurch mit Sturm und Wogen- drang zu kämpfen gehabt hatte. Stilling kehrte im Jahre 1803 als Professor der Staatswisscnschaft an die Universität Heidelberg zurück und verlebte die letzte Zeit seines Lebens zu Karlsruhe ohne öffentliche Anstellung und war nur noch als Schriftsteller thätig. Von seinen vielen wissenschaftlichen, belehrenden und unterhaltenden Schriften ist und bleibt die Erzählung seines Lebens eine der wichtigsten und vorzüglichsten und ist diese in den voranstehenden Bildern für die jugendlichen Leser bearbeitet worden.
Heinrich Stilling hat in dieser seiner, zunächst keineswegs für die Oeffcntlichkeit — für die Einführung in dieselbe hat Goethe, ohne Stillings eigenes Wissen und Wollen, gesorgt — bestimmten „Jugendgeschichte", seinen „Jünglingsjahrcn", seiner „Wanderschaft" und seinem „häuslichen Leben" ein gar herrliches und in mehr als einer Hinsicht unübertroffenes, weil unübcrtreffbares, Gemälde aufgestellt, daS in vieler Beziehung noch heute ein Spiegel der Erkenntniß, Warnung und Belehrung für das Volk sein könnte, wenn das Gemälde selbst im Sturme der Zeit von dem Markte des öffentlichen Lebens nicht fast ganz verdrängt worden wäre. ES daher wieder aufzufrischen und insbesondere den jugendlichen Freunden die Züge desselben vor die Augen zu führen, deren Anblick ihrem Herzen heilsam

