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Stadt um den sauer verdienten Lohn gebeten; denn die gnädige Frau stieg eben in den Wagen, als ich kam, und wollte zu einem Feste fahren. Ich habe jetzt nicht Zeit," sagte sie,ihr mußt wieder kommen!" und darauf trieb der Kutscher die Pferde an. Im Hause aber sagten sie: Die gnädige Frau kommt erst in acht Tagen wieder." Ach, was sollen wir denn anfangen! Wir haben doch gar Nichts mehr, und borgen will auch Niemand, denn Jeder klagt über schlechte Zeit. O, ihr reichen Leute, wüßtet ihr, wie dem Armen zu Muthe ist, sollte sich eure Seele denn nicht erbarmen!" Also klagte sie, und Thränen feuchteten von Neuem das harmvolle Antlitz.

Doch plötzlich, als käme ihr ein glücklicher Gedanke in den Sinn, ' erheiterten sich ihre Züge, und mit freudiger Heftigkeit rief sie aus:Noch weiß ich ein Mittel, das wenigstens für einige Tage hilft," auf die Bibel deutend,hier, Vater, dieses Buch kann uns retten." Feierlich, wie zum Gebete, richtete Martin den Blick gen Himmel, legte die flache Hand über das aufgeschlagene Buch und sprach aus vollem warmen Herzen:Wohl hast du uns, treuer Gott, in deinem Himmelsworte Trost und Kraft gegeben; darum wollen wir nicht verzagen, sondern dich an­rufen, so wirst du uns retten, und wir werden dich preisen."

Höre nur, Martin!" sagte Marie,als vor acht Tagen Herr Stephan, der Müller, hier war, da sah er deine Bibel, und sie gefiel ihm sehr, weil sie große, deutliche Schrift habe; damals bot er einen Thaler für das Buch, wenn wir es ihm ablassen wollten. Laß mich es ihm hin­tragen, so haben wir für's Erste zu leben, und dann wird Gott ja weiter helfen!" So sprach die Frau; aber der arme Weber sah sie betroffen an und entgegnete:

O Marie, deine Rede ist hart und geht mir wie ein Stich dnrch's Herz! Soll ich denn meinen letzten Trost dahin geben? Siehe, als vor vierzig Jahren mein Vater starb, da zeigte er auf dieses Buch und sagte: Dies, mein Kind, laß nicht von deiner Seite kommen; es wird dein Licht und deine Freude sein und wird über dich und dein Haus Segen bringen!" Vierzig Jahre lang habe ich es bewahrt, als meinen besten Schatz, und es hat mir Segen verschafft und freudigen Muth in mancher