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Bedrängniß kommen sollte; denn die Kleidung war eS nicht allein, die ihm fehlte, sondern auch das letzte Stück Brod hatte er zu Mittag ver­zehrt. Endlich sah er sein Weib in der Ferne kommen; aber, großer Gott, wie langsam, wie traurig ging sie einher! So gebeugt, so schwankend geht nur ein Mensch, dem auch die letzte Hoffnung fehlgeschlagen ist. Da verschloß Martin das Fenster; er konnte den Anblick nicht ertragen, nahm von dem Wandbrete sein letztes Gut, seine große Bibel mit dem goldenen Schnitte, die schon sein Großvater besessen hatte, und schlug das sechste Kapitel im Matthäus auf.

Jetzt trat Marie in das niedere Stäbchen ein; ihr kummervolles Antlitz suchte sich vergebens zum liebevollen Gruße zu erheitern; sie wollte reden und vermochte es nicht; Thränen, die ihrem Aug' entstürzten, und leere Hände waren ihre Sprache. Voll treuer Liebe streckte der Greis die zitternde Rechte seinem Weibe entgegen, ergriff ihre Hand, drückte sie lange und biederherzig zum Gruße, als wollte er Vertrauen in die zagende Seele der Gattin drücken; und, ohne ein anderes Wort zu reden, las er mit lauter Stimme aus der Schrift:Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euern Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, als die Speise! Und der Leib mehr, als die Kleidung? Sehet die Vogel unter dem Himmel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in ihre Scheuern, und euer himm­lischer Vater ernähret sie doch. Seid ihr nicht viel mehr, denn sie? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Felde an, wie sie wachsen! Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eins. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird, sollte er das nicht vielmehr euch thun? O, ihr Kleingläubigen!"

Solches las der Greis, dann setzte er sich schweigend am Fenster nieder und blätterte vorsichtig in der heiligen Schrift; sein Weib aber trocknete mit der Schürze die feuchten Augen und sprach darauf die trau­rigen Worte:Was sollen wir aber nun beginnen, Vater! Wir haben doch kein Geld und kein Brod im Hause?, Vergebens habe ich in der