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Gardinen gab, so hatte die Alte zwar der Luft, dem Mondesschein aber den Eingang nicht verwehren können, welcher hell durch's Fenster schien, große lichte Streifen und Figuren auf der Diele bildete, und eine plaudernde Kindergruppe ganz besonders liebreich mit seinen Strahlen umfloß. — Annelieschen thronte auf dem Fensterbret, ihre Füßchen auf dem Knie ihres älteren Bruders Eberhard, der auf einem der beiden Stühle saß, die am Fenster standen; Hans, der jüngere, kniete auf dem andern, und trommelte auf den Scheiben einen Soldatenmarsch, der für seine Ohren lieblichere Musik sein mochte, als für die der übrigen Zuhörer.
„Das ist so recht ein paffender und bequemer Platz für unser Mond- scheinprinzeßchen," — sagte Eberhard scherzend, „nicht wahr? Mitten im Mondlicht thronend und die Füße auf den armen Bruder stellend, — das gefällt dir, Annelieschen?" — Annelieschen war schon im Begriff die alte Neckerei übel zu nehmen, aber sie besaun sich eines andern und sagte ganz freundlich: „Wenn ich dich drücke und dir wehe thue, da will ich herunter gehen." —
„Nein, du sollst oben bleiben, Annelieschen, und ich will deine Füßchen behalten, aber gib nun endlich zu, daß du deinen schönen Namen, mit dem ich dich getauft, mit Recht führst? — Eine halbe Stunde hast du gestern in der dunklen Eßstube am Fenster nach dem Himmel geguckt, was gefällt dir denn so überaus gut? — Doch entschieden der Herr Mond! — Ich sehe mir ihn auch ganz gern einmal an, wenn er sich tapfer durch die schwarzen, dicken Wolken schlägt, gerade wie ein Feldherr durch eine Schaar Feinde! — Aber hundermal lieber ist es mir doch, in den Pferdestall zu gehen. Vaters prächtiger Brauner kommt zu mir, wenn ich nur die Hand ausstrecke, so gut kennt er mich. — Dein Mond aber kommt nicht zu dir, Annelieschen."
„Mir ist mein Helm und mein neuer Küraß das Liebste," rief Hans und fuhr in seinen musikalischen Exercitien fort.
Annelieschcn wendete sich jetzt ganz eifrig zu Eberhard: „Wenn du es mir nicht glauben willst, Eberhard, so lasse es bleiben, — aber ich bin gestern nicht des Mondes wegen in der Eßstube geblieben — ich habe ihn nicht am liebsten," — und die kleine Stimme wurde fast weinerlich.

