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Schnelle Bedienung. — Der Wunderdoktor.
Tchnrlle Bedienung.
Einmal hatte sich Freund Zippel zu dem Baron Gold- schwamm als Diener vermiethet, obgleich er keine Ahnung davon hatte, wie man einen vornehmen Herrn bedienen müsse. Das bewies er auch gleich den nächsten Morgen.
Baron Gold schwamm: „Zippel! Zippel!"
Zippel: „Was befehlen der Herr Baron?"
Baron: „Meine Stiefel und mein Frühstück! Aber schnell!"
Zippel: „Gleich, gleich, Herr Baron!"
Zippel eilt fort. „Schnell soll es gehen?" denkt er, „da darfst Du nicht vielmal laufen, sonst dauert es zu lange. Mußt sehen, daß du Alles auf einmal fortbringst."
Bald darauf tritt Zippel mit dem Verlangten ein. Aber wie? Das Weißbrod hat er in die Stiefeln gesteckt, den
Käse in die linke Hosentasche, die große Servelatwurst trägt er im Munde, die Butter auf dem Kopfe. Die kalte Rehkeule hält er unter den rechten und zwei dicke, saure Gurken unter den linken Arm geklemmt. In der einen Hand hat er eine Flasche Wein, in der andern ein Glas, Messer und Gabel und eine Senfbüchse, in die er, um sie nicht zu verlieren, mit dem Daumen tief eintaucht
So glaubte er seine Sache ganz gut gemacht und seinen Herrn sehr schnell bedient zu haben. Dieser aber war andrer Ansicht, denn er jagte den guten Zippel auf der Stelle fort.
Der Wunderdoktor.
Papa Hanipetitel war nicht blos als großer Kinderfreund, sondern auch als Wunderdoktor bekannt. Er kurirte aber nickt die Leiber der Menschen, sondern die kranken Seelen.
Eines Tages hatte man wieder einmal drei Patienten
zu ihm gebracht. Es waren die eitle Hulda, der unzufriedene Joachim und der stolze Viktor.
Hulda bilvete sich nämlich ein, sie sei schöner, als zehn Engel zusammengenommen. Sie sagte selbst, sie habe Wangen von Rosenduft, Augen, blauer als Veilchen, Zähne, glänzender als Silberperlen, Haare, reizender als das feinste Sammetgeflechte, und Händchen, viel weißer als Schnee und viel weicher als Seitenplüsch. Ihr bester Freund war der Spiegel und deshalb bat sie ihren Vater einmal, er solle ihr doch ein Stäbchen einrichten lassen, darin Wände und Decke von blankem Spiegelglase wären.
Joachim war der Sohn eines armen Beseubinders. Diesem Knaben war jedes reiche Kind ein wahrer Dorn im Auge. Er ärgerte sich, daß es in einem schöneren Hause wohnen, bessere Kleider tragen, fettere Bissen esse», viel mehr Vergnügen haben könne, als er. „Ich muß barfuß gehen," klagte und murrte er oft für sich, „habe nichts weiter als einen groben Leinwandkittel, muß auf blosem Strohe schlafen, alle Tage und alle Tage Kartoffeln und trocknes Brod essen und Wasser trinken, muß arbeiten und mein Vater kann mir kein einziges Vergnügen machen. O wie dumm, daß ich nicht reich bin!"
Viktors Vater war ein General und deshalb bildete sich der Knabe ein, er sei etwas viel Besseres, als alle anderen Kinder, zumal er ja auch von Adel sei. Mit Bürgerskindern redete er kein Wort. Sogar Hauptmannskinder waren ihm noch zu wenig. Und wen» er nun vollends auf seinem Ponny saß und die Straße dahin ritt, bekam man beinahe Angst, ob er denn vor Dünkel nicht platzen würde. Kurz, der Junge besaß einen Stolz, als ob der liebe Gott etwas ganz Extra es aus ihm gemacht hätte.
Hampetitel betrachtete sich diese drei Kranken eine Weile und schien zu überlegen, welches wohl die beste Arznei für sie sei. Bald wußte er es. Er nahm die eitle Hulda und führte sie in eines seiner geheimen Gemächer. Es war ein kleines, aber prachtvolles Zimmer. Darin hing das Porträt eines Mädchens, mit einem wahren Engelsangesichte, so zart und blühend, so schön und lieblich, daß man glauben konnte, der Maler habe hier keinen Menschen vor sich gehabt, sondern habe überhaupt eine vollendete Schönheit male» wollen.
„Wie gefällt Dir dieses Bild, Hulda?" sagte Hampetitel.
„O, das ist ein reizendes, wundervolles Gesicht!" erwiderte diese. „Lebte den» wirklich ein Mädchen, das so schön aussah?"
„Allerdings, Hulda. Es ist die Tockter einer armen Spinnerin, die drüben am Elfensteine wohnt. Ich ließ das Mädchen seiner Schönheit halber malen."
„Ei, dieses Mädchen möchte ich doch sehen, Papa Hampe titel! Es muß eine Lust sein, das Mädchen anzuschauen."
„Dieses Vergnügen sollst Du habe», Hulda. Das Mädchen ist in Deiner Nähe. Ich werde es gleich rufen."
Darauf schellte Hanipetitel an einer Klingel und herein trat — nein, schlich — ein Mädchen von etwa vierzehn Jahren, todteublaß im Gesichte, mehr gelblich, als weiß.

