56

kunft versprochen, dann will ich ihre Augen offnen, und bin sicher, meine Schwester verbindet sich mit mir gegen die böse Misia." Frau Lilie schüttelte ihr Haupt, nahm wehmüthig von Bruno Abschied, und glitt eilends davon, während dieser langsam in die Burg zurückkehrte.

Auch Misia hatte diesen Weg eingeschlagen, doch plötz­lich änderte sie ihre Absicht. So wie Misia die Wasser­lilie erblickt hatte, schwand jeder Zweifel; Champion war Niemand anders als der kleine Bruno, und keine Hoffnung vorhanden, daß sie ihn je beherrschen werde, wie bisher seine Schwester. Mit dieser war sie seit Champions Er­scheinen sehr unzufrieden, und nun sie erlauscht hatte, daß Blanche dem Ritter eine heimliche, vor ihr verborgene Zu­sammenkunft versprochen habe, sann sie auch auf das Ver­derben der Unverschämten, die wagen wollte, sich ihrer Macht zu entziehen.

Bisher hatten dichte Wolken den Abendhimmel umdun- kelt, jetzt gerade jagte der Wind sie auseinander, und der volle Mond strahlte hernieder. Misia beschaute ihn auf­merksam, und fort gingS flüchtigen Laufs um den Hügel herum, weit und immer weiter durch die Wälder. Man hätte kaum denken solle», ein Kätzchen könne so weit lau­fen. Endlich schimmerte ihr ein See im Mondlicht entge­gen, und vor ihr lag derselbe grüne, bnchennmkränzte Platz, den ich schon beschrieben habe. Heut ging hier lebhaft zu. Eine große Gesellschaft im schönsten Putze war versammelt,