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Stelle zur vollen Erkenntniß ihrer Sünden und ihres Unglücks kam; das Bild jenes Tages stach so stark gegen ihre jetzigen Umstände ab, daß Thränen der Dankbarkeit ihr in die Augen stürzten, ja Thränen der Dankbarkeit gegen den himmlischen Vater, der nicht mit ihr in's Gericht gegangen war. Dennoch waren diese Gefühle nicht ohne einen Zusatz von Schmerz, da sie sich erinnerte, daß ihr irdisches Glück wohl auf immer vernichtet sei. Wie lange sie in diesem Zustande des Gemüths blieb, wußte sie nicht. Karl unterbrach zuletzt ihren Gedankenfluß, indem er sich plötzlich an sie wandte und in ruhigem, sanftem Tone sagte: „Sophie, ich fühle jetzt, daß ich von dir und meinen Kindern getrost Abschied nehmen kann. Alles ist gur, ich traue aufweinen Heiland, daß mir um seinetwillen meine Sünden vergeben werden."
Da sah ihn Sophie mit einem Gefühl der Freude und Ueberraschung und mit großer Rührung an, uud machte sich Vorwürfe, daß sie an sich gedacht habe. Sodann stander auf, lehnte sich auf ihren Arm und ging stille nach Hause. Wahrscheinlich fühlte er einige Vorzeichen von herannabenderVer- schlimmerung seiner Umstände, die er nicht gestehen mochte, denn er drückte diesen Abend ein großes Verlangen aus, seinen verehrten Freund, den Geistlichen, zn sehen, und ließ sich von ihm das Versprechen geben, daß er ihm am folgenden Morgen das Nachtmahl reichen wolle. Nachdem er dieses wirklich empfangen hatte, blieb er den ganzen Tag in einem Zustand von freudiger Ruhe, und allem Anschein nach in innerem Verkehre mit seinem Gott. AIS er sich zu Bette legte, was er immer zu früher Stunde that, nahm er mit Jugcndbibl. IV. 3

