112

wenn die« nur nicht der letzte Druck ist. Er verstand sie und erwiederte wohl bisweilen: Der Himmel wird dir wohl noch eine Weile den Schmerz ersparen, mich sterben zu sehn, denn, daß du mich lieb hast, lieb wie dein Leben, daS weiß, das fühle, das erfahre ich ja mit jedem Lage. Ich selbst wünsche noch nicht zu sterben, denn lebe ich doch hier wie im Himmel, und du bist der Engel meines Glücks, der mir freund­lich zur Seite steht und mir jedes Ungemach, was mein Alter mit sich bringt, erleichtert und ab­nimmt.

Friederike übernahm den jedesmaligen Auf­trag, die Pflege des Greises zu besorgen, um so lieber, da sie ihn ebenfalls lieb hatte, und es wohl wußte, wie man kouisen keinen gröbern Dienst erweisen konnte, als wenn man Antheil an ihrem Wohlwollen gegen ihn nahm. Frieds- rike stand zwar nicht mehr im Dienste der Amt­mann Dörner, sie war mit einem jungen, gu­ten, fleißigen und wshlhabenden Bauer ver- heirathet, der nicht sowohl sich eine reiche, als eine gute Frau wünschte; allein es verfloß doch kein Tag, wo sie nicht auf ein Weilchen ihre