Der Doktor Berthes stieg im Pfarrhaus ab und ging nach einer Stunde zur Amtmann Börner. Er wurde mit der Liebe und Herzlichkeit empfangen, wie man einen alten Freund aufnimmt. Louise nahm jede Gelegenheit wahr, wo sie's ihm zu erkennen gebe» konnte, wie unschätzbar ihr sein Verdienst sey, daS er sich um sie und ihre Mutter erworben hatte. Bis jetzt war es der Amtmann Börner nicht möglich gewesen, außer der Dankbarkeit, die ihm ihr Herz für'« Leben gelobt harte, ihm ein Geldgeschenk zu übersenden, das ihm die hohe Erkenntlichkeit andeutete, von der ihre ganze Seele durchdrungen war. Die vielen Krankhcitskosten hatten ihre Kasse erschöpft, und Louise konnte, während sie die Pflege der Mutter und des kranken Greises besorgte, zu keiner Arbeit kommen, für die sie oft so reichlich belohnt wurde. Der Doktor Berthes bemerkte eS zu seiner innigen Freude, wie die Rosen auf ihren Wangen wieder aufblühten, wie sie in ihrer Miene, in ihren Bewegungen eine Heiterkeit zeigte, die ihre jungfräulichen Reize erhöhten. Eine edle, reine und tugendhafte Liebe für sie bewegte sein Herz.

