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Wünschen; er kennt aber auch weder Mangel, noch Sorge und Elend ein Lag verstreicht ihm wie der andere. Die Knaben er­halten in der von der Gemeinde gestifteten großen Erziehungsanstalt gründlichen Unterricht in allen Sprachen und übrigen Schulwissen- schäften; für die Mädchen cxistirt ebenfalls eine solche Anstalt, worin sie in Allem, was die Häuslichkeit erfordert, unterrichtet werden. Beide Institute nehmen auch Knaben und Mädchen von andern Religionen auf; doch müssen diese sich den Einrichtungen der Colonie streng fügen, so lange sie in derselben leben, und dürfen auch wäh­rend ihres Aufenthalts in Ncuwied weder Eltern noch sonstige Ver­wandte besuchen, obgleich es diesen gestattet, ist zu den Kindern zu kommen.

Im Schwesternhaus nahm sich alles viel romantischer aus. Die vielen, am Stickrahmen und mit andern weiblichen Arbeiten beschäf­tigten, meistens sehr jungen Mädchen, Zöglinge der Schwestern, ge­währten einen recht freundlichen Anblick. Zum Unterschied von den eigentlichen Herrnhuter Schwestern, deren Haupt mit kleinen, leine­nen Mützchen bedeckt ist, tragen die Zöglinge zierlich gestickte Häub­chen von etwas modischerm Schnitt, unter dem Kinn mit hcllrothen Schleifen zugebunden. Mariechen ließ sich in ein Gespräch mit eini­gen der jüngsten Mädchen ein, und fand sie keineswegs so schüchtern und verlegen als sie sie geglaubt. Sie gaben auf alle Fragen ge­nügende Antworten und bewiesen, daß sie öfterer von Fremden be­sucht würden.

Stand und Alter der Schwestern verräth sich durch die Farbe des unter dem Killn zugebundenen Mützenbandes. Wittwen, Mäd­chen und Frauen tragen verschiedene Farben. Jede Abtheilung, un- verheirathete Männer, Wittwen und Mädchen verkehren bloß mit ihres Gleichen, leben in besonders dazu eingerichteten Gebäuden, essen, beten, arbeiten und schlafen gemeinschaftlich in großen Sälen.