al fresco *) gemalte Aula **). Zuerst wurde einer historischen Vorlesung beigewohnt, von welcher sich jedoch Carl und Marie, Ersterer als Kind, Letztere als Kind und Mädchen zugleich, ausgeschlossen sahen. Es war das erste Mal auf der ganzen Reise, daß der Papa etwas vornahm, woran sie nicht Theil nehmen konnten; und fast hätte dieser demüthigende Umstand den vier zurückbleibenden Augen Thränen entlockt, wenn Carl nicht früh genug sich ermannt, und nach seiner gewohnten Weise so viel Witze darüber gemacht hätte, daß auch Marie bald vom Weinen zum Lachen übergehen mußte. Er meinte, „diese kränkende Stunde würde nach 60 Minuten auch überstanden sein, und zu allen andern Herrlichkeiten wäre ihnen ja der Zutritt gestattet."
Während nun Theodor mit dem Vater und Herrn Möller wie ein Student im Auditorium sitzen durfte, schlenderten seine Geschwister in den Anlagen umher und setzten sich endlich, den Schluß der Vorlesung sehnsüchtig erwartend, auf eine Bank nieder. Da trat ein Bettelmann zu ihnen, sie um ein Almosen bittend. Mariechen suchte aus ihrem Geldbeutel einen Kreuzer hervor, und glaubte ihn damit königlich belohnt zu haben; er dankte auch, blieb aber immer noch stehen, und als Carl die Uhr herauszog, nachzusehen ob die ewiglange Stunde noch nicht bald zu Ende sei, blickte er mit lüsternen Augen darnach hin und sagte, die Hand ausstreckend: „ei, die schone Uhr!" Da sprang Marie entsetzt in die Höhe; sie sah den Bettler im Geist schon im Besitz des goldnen Pathengeschenks ihres Bruders und diesen am Arm fassend, sagte sie ängstlich: „nein, lie-
*) AI fresco, Freskomalerei, auch Kalkmalerei. Mit Wasserfarben auf einer noch frischen Unterlage von Kalk, mit Sand vermischt, gemalt.
**) Aula, großer, akademischer Saal; bestimmt, Doktorbisputationen, öffentliche Reden und dergleichen Feierlichkeiten darin zu halten.

