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Rotterdam ist merkwürdig als Geburtsort eines Zeitgenossen unserer Reformatoren, des unvergeßlichen Desiderius Erasmus *), des einzigen berühmten Mannes, dessen sich die Stadt rühmen kann. Deshalb ehrt sie ihn auch auch dankbarlichst, wie die auf der Maas- brücke stehende Statue aus Bronze beweißt. Zuerst errichteten ihm die Bürger ein Denkmal aus Holz; dieß wich spater einem steinernen, welches jetzt seinem 10 Fuß hohen metallnen Standbild Platz machen mußte. Rotterdam hat unzählige Fabriken, Cattundruckereien, Zuckersiedereien u. s. w. Die Börse ist größer und schöner als in Amsterdam.
Ehe unsere Reisenden Rotterdam verließen, fand der Freiherr Gelegenheit, seinen Kindern einen kleinen Ersatz für die versäumten Herrlichkeiten in Amsterdam zu bieten. Es war nämlich am selbigen Lage mit ihnen ein Riese nebst zwei Zwergen eingetroffen, die sich sogleich für Geld sehen ließen. Solche Wunder der Schöpfung sind bloß als Spielarten, nicht als besondere Gattungen des Menschengeschlechts zu betrachten, von welchem Irrwahn die aufgeklärte Welt auch längst zurückgekommen ist. Die Pygmäen *) der Alten, ^ so wie die eigentlichen Riesen der Vorzeit, sind bloß fabelhafte Geschöpfe der Einbildungskraft; und alle unnatürlich große, wie unbillig kleine Menschen nichts weiter als Ausnahmen von der allgemeinen Regel. Als solche jedoch höchst merkwürdig, besonders die seltner vorkommenden sogenannten Riesen. Der hier ausgestellte zeichnete sich wirklich durch einen ungeheuer großen, und dabei sehr regelmäßigen Wuchs aus, der jedoch wie häufig der Fall, in keinem Verhältniß zu seiner Körperkraft stand. Er maß beinah 8 Fuß, war nicht zu mager,
*) Desiderius Erasmus, großer Gelehrter, geboren 1467 zu Rotterdam, gestorben 15Z6 zu Basel in der Schweiz.
*•) Pygmäen, fabelhaftes Zwergvolk der Alten.

