Bewohner Asiens. Jndier. 131

des Dorfes, welche bereits zwölf Jahre alt sind. Diese Zweige steckt man am frühen Morgen, vier und eine halbe Stunde lang, in das Wasser. Der Zweig, welcher zuerst welkt, zeigt die Person an, welche die Hexerei verübt hat. Man kann aber die Hexen auch noch auf eine andere Weise kennen lernen. Man uimmt kleine Portionen Reis, wickelt dieselben in Stücke Zeug, bezeichnet jede derselben mit dem Namen einer der verdächtigen Personen, und legt diese Gegenstände in einen Termiten- (weißen Ameisen-) Haufen. Vergreifen sich diese weißen, vielzerstörenden, Ameisen an einem dieser kleinen Beutel, und verzehren den Inhalt desselben, so ist sicher die Person, deren Name auf diesem Beutelchen stand, der Hexerei schuldig.

Gerathen Dörfer in Gränzstreitigkeiten über ihre Markung, so findet ein eigener Gebrauch Statt, zu ermitteln, welchem Orte das im Streite liegende Landstück gehört. An der gemeinschaftlichen Gränze beider Dorf- schaften gräbt man Löcher in die Erde. Jede Dorfschaft sendet eine gleiche Anzahl Personen, um den Streit zu entscheiden. Die Abgeordneten treten daraufmit dem einen nackten Fuß in das gemachteLoch, welches sogleich verschüt­tet, und wodurch dieser Fuß somit eingegraben wird. In dieser unbequemen Stellung haben beide Theile so lange zu verharren, bis sich von der einen Seite jemand beschwert, und ausspricht, daß er es nicht länger auszuhal­ten vermöge, oder vielleicht von einem Insekte gestochen, oder sonst unfähig sei, diese Marter länger zu erstehen. Die Partei, aus deren Mitte jemand eine solche Erklärung abgibt, hat verloren, und der bestrittene Gegenstand fällt der andern Seite heim.

Böse Geister ahnt und fürchtet man überall. Im mittlern Theile der .Halbinsel Vorderindiens halten sich die Geister böser Menschen in Wäldern, Gebäudetrümmern, oder Höhlen auf. Sie heißen Virika's, und haben ihre Freude daran, von Zeit zu Zeit ihre Schlupfwinkel zu verlassen, sich unter die Lebenden zu begeben, und dieselben zu erschrecken. Solche böse Gei­ster kann man aber bannen, und es gibt mehre Menschen, welche so glücklich sind, diese Macht zu besitzen; sie werden Kani auch Shaykana genannt. Nicht den Einflüsterungen der Gottheit, sondern der Kenntniß der Gestirne verdanken sie diese Gewalt.

Die bösen Geister würden den Sterblichen nicht erscheinen, sie nicht schrecken, und zu plagen drohen, hätten sie nicht den Zorn der Götter auf sich geladen. Die Geisterbanner besitzen natürlich auch die Fähigkeit zu erkennen, ob der böse Plagegeist ein Fremder sei, oder der Familie der Geplagten angehöre. Im ersteren Falle ist er leichter, und somit auch für eine geringere Belohnung zu entfernen; doch tritt dieser Fall seltener

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