132 Bewohner Asiens. Zndier.

ein, und es erscheinen die bösen Geister aus der Familie, welche mehr zu vertreiben kosten, am häufigsten.

In heißen Ländern, sowohl in Afrika, als in Asien, auch im südlichen Europa, und sogar in einigen Strichen Süddeutschlands, legt man Werth auf Amulete, und glaubt, daß solchen Gegenständen eine übernatürliche Wirk­samkeit beiwohne. Man meint in Indien, daß manche Mineralien, und manche Pflanzen nur an bestimmten Tagen, welche unter dem Schutze gewisser Engel stehen, aufgesucht werden dürfen, und daß vorgeschriebene Zeremonien erforderlich seien, um den gewünschten Erfolg herbeizuführen.

Solcher Talisman wird häufig mit dem Drittheil der Schätze in die Erde vergraben. Es ist nämlich im Morgenlande, bei der Ungewißheit des BesihthumS, unter den despotischen und tirannischen Regierungen, seit lange her, üblich, sein bewegliches Vermögen in drei Theile zu theilen. Das eine Drittheil davon verwendet man zu seinem Geschäfte, und sucht damit seinen Lebensunterhalt zu erwerben, und sein Vermögen zu ver­mehren. Das zweite Drittheil verwandelt man in Edelsteine oder sonstige leicht fortzuschaffende Kostbarkeiten, um auf diese Weise gegen Unfälle ge­sichert zu sein, wenn das erste Drittheil verloren würde. Das letzte Dritt- theil, und häufig Amulete dazu, vertraut man der Erde an, indem man es so zu vergraben sucht, daß kein Fremder und Uneingeweihter es finden könne. Nicht selten kömmt der Fall vor, daß die, welcbe die Schätze begraben haben, sie selber nicht wieder zu finden vermögen, und daß so das verloren geglaubte Gut, durch Zufall, in die Hände Fremder (oft erst nach Jahrhunderten) kommt.

Gebräuche vor und nach dem Sterben.

Mit Kranken und Sterbenden geht man in Indien sehr hart um; und an Statt beiden zu helfen, ihre Leiden vermindern, und ihren Tod ver­hindern zu suchen, ist man bemüht, die Schmerzen zu mehren, und deS Lebens Ende schneller herbeizuführen. Scheint ein Hindu dem Tode nahe zu sein, und die Hoffnung auf Wiederherstellung verloren, so nimmt man ihn (schon bei lebendigem Leibe) aus dem Bette, legt ihn auf die Erde, wäscht den Körper, und schneidet ihm die Haare ab. In einigen Land­strichen pflegt man nicht die noch Lebenden, sondern die Gestorbenen zu waschen. Alte Leute, besonders Männer, welche ihren Kindern beschwer­lich zu fallen scheinen, werden von diesen nicht selten an des Ganges heilige Ufer gebracht, ihnen mit dem Schlamme des Stromes Mund und Nasen­löcher zugestopft, und so dem Wasser und den Krokodillen als Beute übergeben.