270 Bewohner Afrika s. Bewohner von Dongola.

und man erhält ein schönes Mägdchen für 6 bis 8 Dukaten, wovon man etwa 4 Dukaten in Geld, eine Kuh und zwei Stück Baumwollenzeug, welche den Werth von einem Karolin haben, gibt, wozu noch zwei fette Schafe oder Ziegen kommen. Kleider und Vieh bekömmt die Braut von der Mutter als Mitgift wieder. Das Geld aber gehört der Mutter, welche dafür die Verpflichtung hat, ihre Tochter wieder zu nehmen und zu erhalten, wenn sich dieselbe, was sehr häufig vorkömmt, von ihrem Manne trennt. Nach solchen Trennungen überlassen sich die geschiedenen Frauen häufig Ausschweifungen, welche ihnen früher zu begehen unmöglich war.

Das von einer freien Frau geborene, nicht eheliche Kind ist Sklave oder Sklavin, und gehört dem Melik, und dessen ungeachtet ist die Zügel- lvfigkeit des weiblichen Geschlechtes überaus groß.

Bei Ehescheidungen hat mau keine Förmlichkeiten zu beobachten. Die Frau geht zu ihrer Mutter, oder zu ihren sonstigen Angehörigen zurück, und der Mann hat sich nicht darum zu bekümmern, wie sie sich durchbringt. Dazu kömmt noch, daß die Mutter, welche fortgeschickt wird, ihre Kinder mitnehmen, und bis in das siebente Jahr erhalten muß. Dann nimmt der Vater die Knaben, und die Mägdchen bleiben bei der Mutter. Nimmt die geschiedene Frau (was ihr erlaubt ist) einen andern Mann, so kostet sie ungefähr um den dritten Theil weniger, als ein junges Mägdchen.

Wenn der Mann mit seiner getrennten Frau wieder Frieden schließt, muß er ihr zwei Stücke Baumwollenzeug (etwa i'/s Dukaten werth) geben.

Gerechtigkeit zu handhaben liegt den türkischen Militärbeamteten zwar ob, aber das gute Recht zu erhalten, ist fast unmöglich.

Bei Erbschaften sollen die Knaben noch einmal so viel erhalten, als die Mägdchen, und die Wittwe bekömmt, außer ihrer Ausstattung, eben so viel als ein Mägdchen. Wenn die Kinder noch nicht erwachsen sind, nehmen die Verwandten gewöhnlich den größten Theil des Erbes, oder die größeren Geschwister übervortheilen die jünger».

Beinahe jedes Dorf hat einen Fakir, welcher lesen und schreiben kann, und mit den Gebräuchen der Religion Mahomeds bekannt ist. Der Fakir treibt keinen Ackerbau, unterrichtet die männliche Jugend in der Religion, lehrt sie beten, lesen und schreiben, und erhält dafür milde Gaben, von welchen er lebt. Der Fakir hat einen beträchtlichen Nebenverdienst dadurch, daß er Zauberformeln schreibt, von welchen beinahe jeder Berber ein hal­bes Dutzend trägt. Diese Amulete werden sogar den Pferden angehängt, um sie vor Leid und Unglück zu bewahren, und selbst die Felder sucht man dadurch gegen den bösen neidischen Blick, und die Nilpferde zu schützen.