Bewohner Afrik-i's. Buschmänner. 3l!>
die Kolonie gegen die Angriffe der Ureinwohner zu schützen. Jetzt, wo man von Menschlichkeit und Religion spricht, die Sklaven und eingeborenen Stämme beschützen will, schickt man Heeresabtheilungen, gut ausgerüstet, und mit allem Nöthigen versehen, weit in die innern Länder, um einen wehrlosen Volksstamm, der der britischen Regierung nie Unrecht that, zu vernichten. Aus Menschlichkeit und Religion erschießt man die Männer kaltblütig, mordet und verstümmelt die Kinder und Weiber, und verübt noch andere Schändlichkeiten an ihnen. Gewöhnlich ordnet die weise Regierung es so an, daß ste, um die Angriffe der Buschmänner zurückzuweisen, ein Kommando Gräuzbauern aufbietet, welches einen Kraal (Dorf) der Buschmänner überfallen muß, die Männer ohne Unterschied umbringt, und, da keine Sklaverei mehr Statt finden soll, die Weiber, welche das Blutbad überlebt, Väter, Männer, Brüder, Söhne verloren haben, mit in die Gefangenschaft fortschleppt.
1829, im November, wurde ein Kommando gegen eine Horde Buschmänner am Sackriver ausgeschickt. Bon dieser Horde ging das Gerücht, daß sie sich einiger Räubereien schuldig gemacht haben sollte. Die Ausgesandten trafen die Horde, der sie nachspürten, nicht, fanden auf dem Rückwege eine andere, die keiner Beleidigung verdächtig und angeklagt war, und damals mit den Kolonisten in Frieden lebte. Um dieses friedliche Verhältniß zu befestigen, und die gute Nachbarschaft zu belohnen, überfiel man den Kraal, und erschoß sieben dieser Leute, welche ihren europäischen Nachbarn nichts gethan hatten, ja ihnen nicht einmal Widerstand leisteten, mit kaltem Blute.
Nach erfochtenem Siege traf das ruhmbedeckte Heer, auf seinem Rückwege, ein Buschmannsweib, in seinen Karoß gehüllt, am Wege liegend, welches anscheinend schlief. Der siegreiche, heldenmüthige Oberbefehlshaber rief die Person nickt an, sonder» legte stillschweigend seine Flinte an, und schoß, was um so verdienstlicher war, da die Schlafende sich ganz in der Nähe befand. Der Karoß rührte sich, und — ein altes Weib wälzte sich, mit dem Tode kämpfend, um den Helden, der sie, die Wehrlose und arglos Schlafende, mit seiner Mordwaffe, in Entfernung von wenigen Schritten besiegt hatte. Hierauf ritt das siegreiche Speer weiter, die Unglückliche sich
selbst überlassend; sie war ja nur ein Buschmannsweib!-
Diese edle Handlung ist nicht geheim vor der britischen Behörde geblieben, und von derselben an den Siegern dadurch belohnt, daß denselben — nichts geschah.

