320 Bewohner Afrika s. Hottentotten.
Die Hottentotten oder (lÄuaique.
Um die Mitte des siedenzehnten Jahrhunderts, als die Holländer das südlichste Afrika als Freunde der Eingebornen betraten, gaben ihnen diese für Spielsachen und einige Flaschen Branntwein so viel Land, als sie zur Begründung einer kleinen Niederlassung nöthig hatten. Damals wurde das Land von einem ziemlich zahlreichen Volke bewohnt, das, in Wohlstand, vcm Ertrage seiner Heerdew lebte, in viele Stämme unter eigenen Oberhäuptern getheilt war. Obgleich jede einzelne Horde dieser Ureinwohner einen eigenen Namen hatte, erkannten doch alle Stämme damals, wie noch jetzt, den gemeinschaftlichen Namen Quaique, als für Alle geltend, und Alle umfassend an. Der Name Hottentotten, welcher in der Zeit, man weiß nicht wie, aufkam, ist dem Volke selbst unbekannt.
Vor der Eroberung des Kaplandes durch die Holländer lebten die Quaique als Hirten. Ein Mantel aus Schaffell diente als Kleid für den Tag und als Lagerstätte für die Nacht. Die zeltartigen Hütten, aus Pfählen und Zweigen gemacht, und mit Buchenmatten bedeckt, schützten wider ungestümes Wetter und konnten durch die Packochsen leicht von einem Orte zum andern gebracht werden. Der Assagai, ein leichter Wurfspies, ein Bogen und vergiftete Pfeile waren die Waffen, deren man sich im Kriege, wie zur Jagd, bediente.
Fast ein halbes Jahrhundert lebten die weißen Männer mit den Ureinwohnern auf freundschaftlichem Fuße, weil diese treu erfüllten, wozu sie sich verbindlich gemacht. Dann aber suchten die weißen Leute ihr Gebiet allmäh- lig zu vergrößern, zogen gegen die entfernten Stämme, welche ihnen nichts zu Leide gethan hatten, um denselben ihr Vieh zu rauben, und so eigneten sich die Einwanderer aus Europa, im Laufe eines halben Jahrhunderts, einen großen Theil des Kaplandes zu. Nur die dürren Wüsten, deren Unfruchtbarkeit die Europäer nicht reizte, ließen sie, als Zuflucht, den wandernden Horden der Namaqua, Koran na und Buschmänner.
Damit, daß sie den Hottentotten ihren fruchtbaren Boden wegnahmen, waren die Europäer nicht zufrieden, sie gestatteten den rechtmäßigen Eigenthümern und Urbewohncrn des Landes nicht einmal, die Heerden, von welchen sie lebten, auf den minder fruchtbaren Strichen zu waiden, und da so die armen Leute kein Vieh mehr halten konnten, kamen auch die Heerden in den Besitz der Kolonisten, welche die Waiden, dasselbe zu erhalten, schon früher genommen hatten.

