Bewohner Australiens. Bewohner der Gesellschafts-Jnseln. 375
stellen zu können, wenn er dieses Gesetz übertrete. Er nahm daher Etwas von dem geweihten Fleische, ging damit an eine einsame Stelle des Waldes und aß es. Hierauf glaubte er, daß die Rache des beleidigten Gottes eintreffen werde. In großer Spannung wartete er lange im Walde, welchen er nicht früher verließ, als bis er merkte, daß ihm das Mahl eher gut, als schlecht bekommen sei. Einige Tage hielt er die Sache geheim. Als er aber sah, daß keine Strafe eintrat, machte er den Fall bekannt, entsagte seiner Religion, und ging zum Kristenthume über.
Die Eingebornen der Insel Otaheiti verletzen den äußern Anstand nicht oft öffentlich, weil darauf harte Strafen gesetzt sind; im Geheimen aber nehmen sie sich solche Verletzungen nicht übel, und sind durch die Einführung dieser strengen Gesetze in moralischer Hinsicht nicht besser ge- worden, so daß fast alle Frauenzimmer ohne Ausnahme für eine Maultrommel oder einen Ring die möglichst größte Gunstbezeigung Jedem gewähren.
Die Wohngebäude sind, mit geringer Ausnahme, noch eben so, als zur Zeir Cook's. Der Boden ist immer mit Heu bestreut, das aber nicht stets trocken und reinlich gehalten wird, sondern durch Schmutz und Rasse bald eine widerliche Beschaffenheit annimmt. Nur wenn man diese Ausdünstungen nicht mehr zu ertragen vermag, nimmt man frisches Heu. Zuweilen findet man in einem Winkel des Zimmers eine Kommode oder eine Bettstelle. Da die meisten aber Wenig haben, was sie in die Kommode hineinlegen könnten, und eben so gern. oder lieber, auf ihren Matten liegen, welche sie über Stroh ausbreiten, so machen sie sich sehr wenig aus dem tzausgeräthe.
Gewöhnlich pflegen sie nur solche Geschäfte zu betreiben, welche sie zum Lebensunterhalt durchaus nöthig haben, oder mit welchen ste ihre Eitelkeit befriedigen können. In ihren Hütten findet man sie in der Regel entweder auf ihren Matten hingestreckt, sich der Trägheit überlassend, auf der Maultrvmmel spielend, kochend, oder Strohhüte flechtend, oder daß sie ganz kleine Glasperlen zu Ohrringe oder Fingerringe aufschnüren. Die Prinzessin vergnügte sich besonders damit, daß sie sich auf einer Drehorgel vorspielen ließ.
Die Misstonäre haben es versucht, die Mägdchen im Spinnen zu unterrichten, und machten die Bedingung, daß sie 50 Ellen Tuch für den König und so Ellen für sich weben sollten. Die Neuheit lockte Anfangs viele Schülerinnen herbei, die aber keine Ausdauer hatten, so daß keine einzige ihre Verpflichtung ganz erfüllte. Die so Ellen Tuch für den König wurden gewoben, aber nicht ganz so viel mehr, als zu einem Kleide nöthig

