3S0 Bewohner Australiens. Bewohner der F-reundschafts-Znseln.
verwegen, und Meister in der Verstellungskunst. Kommen ihre Eigenliebe und Habgier mit in das Spiel, so zeigen sie Freundschaft und Liebkosen, wenn sie schon an Verrath, Betrug und Beraubung denken.
Sie sind ungemein tapfer, man darf sagen verwegen-kühn, ungemein thatkräftig, und stark von Karakter. Dabei haben sie das Schöne, daß sie sied ihrer Großthaten selten rühmen, was nicht nur bei den Bewohnern des südwestlichen Europa's (Frankreich, Spanien und Portugal) sehr häufig ist, sondern auch bei vielen Wilden vorkommt.
An geistigen Fähigkeiten scheinen Tonga's Bewohner den Bewohner» O-tahiti's weit überlegen zu sein, und in dieser Beziehung den Bewohnern von Neuseeland zu gleichen. In ihren Mienen und Gebärden zeigen sie Würde, beweisen den Frauen Achtung, und ehren das Alter hoch.
In ihren Häusern sind sie sehr sanft und liebreich, und ihren Ober« Häuptern, Freunden und Angehörigen sehr ergeben.
Einst theilte man, nach Dumvnt d'Urville (Band 4. der franzö- fischen Original-Ausgabe, Seite 2Z5 u. ff.), die Einwohner so ein:
1) Der Tui-Tonga,
2 ) die Egui's,
3 ) die Matabulai's,
4) die Mua's und
5 ) die Tua's.
Der Tui-Tonga.
Vom Tui-Tonga glaubte man, daß ihm göttliche Eigenschaften in- wohnen, und verehrte ihn deßhalb nicht nur auf den Tonga-Inseln, sondern auch auf benachbarten Eilanden. Wenn auch seine zeitliche Macht in mancher Beziehung beschränkt war, mußten doch alle anderen Egui's, und wenn sie auch noch so viel Macht besaßen, vor ihm erscheinen und sich erniedrigen und mit moö-moi- begrüßen. Wenn er heirathete, und wenn er starb mußten eigene Feierlichkeiten stattfinden, und man mußte sich sogar einer andern Sprache bedienen, wenn man von ihm redete. Während alle Übrigen tättowirt und beschnitten sind, war beides bei ihm nicht der Fall.
3u einer gewissen Zeit des Jahres brachte man ihm (am Natschifeste) von allen Tonga-Inseln, die Erstlinge der Früchte dar, die bis dahin mit einem allgemeinen Tabu belastet waren.
In den Ehren des Tui-Tonga findet man eine große Ähnlichkeit mit den Ehrenbezeigungen, welche dem Oberhaupte der katholisch-kristlichen

