Man kann sich kaum bewegen, ohne etwas Schönes und Seltenes zu be­rühren. Die Braut sitzt auf einem köstlichen Teppiche in Gesellschaft zweier Frauen, von welchen die eine ihr mit einem großen Fächer von Pfauen­federn Kühlung zuweht, während die andere am Anzüge der Gebieterin ordnet, oder Betel für sie bereitet. In dem sehr auffallenden Anzüge sieht eine solche Braut aus wie eine Göttin der Buddha-Religion. Die Braut sitzt unbeweglich mit niedergeschlagenen Augen, und spricht kein Wort. Das Haupt umgibt ein Kranz von Blumen und goldenen Verzierungen. Spangen von Gold schmücken die Arme, und in den Ohren hängen gleich­falls schwere goldene Zierrathen. Das Gesicht der Braut ist, bei allem diesem Putze, mit einer weißen Farbe angestrichen. Das Gemach duftet von betäubenden Wohlgerüchen.

Die kleinen Fenster sind durch Vorhänge geschlossen, und lassen beinahe keine frische Luft eindringen. Der Bräutigam, welcher in einem anderen Zimmer in seltsamem Anzüge sitzt, gleicht ebenfalls einem indischen Götzen­bilde. Sein Gesicht ist auch weiß bemalt, und er trägt einen noch

Bewohner Australiens. Bewohner von Java. 413

Gutschmeckerei bei den Europäern in Indien einen sehr hohen Grad er­reicht hat.

Lindere Jugendseste sind die Reinigung der Zähne (Gossok Gigit) und die Reinigung der Ohren (Gossok Kuping).

Hochzcitögcbräuche.

Wenn gleich in Java Vielweiberei herrscht, sind doch die Frauen nicht Sklavinnen des Mannes, wie in vielen andern Gegenden des Morgenlan­des, und haben so viele Freiheiten, als Sittsamkeit und Stand gestatten.

In einigen Gegenden gibt der Bräutigam den Ältern der Braut eine Art von Entschädigung an Geld, welches von den Ältern gewöhnlich dazu verwendet wird, ihrer Tochter Kleider und Hausgeräthe dafür zu kaufen, oder das fröhliche Ereignis; unter den Verwandten und Nachbarn zu feiern. Von der Verlobung bis zur Einsegnung des Brautpaares gibt es bei den Vornehmen viele lästige Zeremonien.

Beim Trauungsfeste eines Edelmannes, welcher seine Tochter verehe­licht, ist das Hauö festlich verziert. Den ankommenden, eingeladenen Gast führt der Vater der Braut in'ö Brautgemach, an dessen Eingänge eine alte Frau denselben mit Rvsenwasser besprengt. Dann muß er die Hände hin­halten, um sie mit einer anderen, wohlriechenden Essenz zu waschen. In diesem Gemache scheinen alle Kostbarkeiten des Hauses aufgehäuft zu sein.