440 Bewohner Australiens. Bewohner von Neuseeland.
Die allgemeine Sanftmüthigkeit, Höflichkeit und Gefälligkeit der Neuseeländer bricht sehr leicht in Zorn, ja sogar in Wuth aus, so daß sie in der tobenden Leidenschaft ihre Vernunft verloren zu haben scheinen. Solche Falle treten (wie ja auch bei den Europäern nicht selten) dann ein, wenn
sie sich in ihrer Würde verletzt, in ihrem Rechte beeinträchtigt, an ihrer Ehre gekränkt fühlen. Setzt man dem Zorne Kaltblütigkeit und Ruhe entgegen, so geht er selten in Thätlichkeiten über, vielmehr wird der Aufgebrachte gleich besänftigt und plötzlich eben so ruhig und friedliebend, als er wenige Augenblicke zuvor war. Solche Übergänge sind oft so plötzlich, daß man versucht werden könnte, sie als prüfende Drohungen, oder auf die Probe stellenden Scherz zu betrachten.
Ihre Rache befriedigen die Neuseeländer sehr gern, wenn gleich nicht in Abrede gestellt werden kann, daß sie sich zuweilen gegen überwundene Feinde großmüthig beweisen. Der Neuseeländer Tamarangai verzieh (um ein Beispiel an Statt mehre anzuführen) seinem Feinde Warn, welcher ihn schwer beleidigt hatte, gab ihm Frau und Kinder, die in seine Gefangenschaft gerathen waren, zurück, und schenkte seinem Feinde eine Flinte, um ihn über den Tod seines geliebten Vaters zu trösten. Solche Beispiele lassen sich viele erzählen.
Schön und erfreulich ist's, zu erkennen, wie sehr die Neuseeländer auf Feindes Wort bauen, woraus hervorgeht, daß sie klare Begriffe über Völkerrecht haben.
Obgleich dieses Volk sich äußerlich besonnen und ernst zeigt, man Beweglichkeit und Leichtigkeit an demselben vermißt, findet man doch, daß es zu Fröhlichkeit, Scherz und Lachen sehr aufgelegt ist, und eine große Freude daran hat, Haltung und Gebärde» der Europäer nachzuahmen. Bei vielen Eingeborenen Neuseelands findet man, daß sie mit Beharrlichkeit und Fleiß, oft Jahre lang, Lieblingspläne verfolgen, und unaufhörlich Zeit und Mühe verwenden, um das erstrebte Ziel zu erreichen, das sie oft gewonnen haben, wenn man meint, daß sie schon längst den Gedanken, dahin zu gelange», aufgegeben haben möchten.
Um mechanische Künste zu erlernen, haben die Neuseeländer nicht weniger Talent, Geschick und Anstelligkeit, als die Europäer, und ihre Kinder lernen mindestens eben so schnell lesen und schreiben, als die Kinder der Engländer.
Als Handelsleute sind Neuseelands Bewohner sehr gewandt und gewitzigt, weil sie von den Europäern sehr oft betrogen worden; macht man

