Bewohner Australiens. Bewohner von Neuseeland. 44 l
mit ihnen alles bestimmt und fest ab, so darf man sicher sein, das; sie ihre Verbindlichkeiten erfüllen.
Die Heimatsliebe, welche man von Pol zu Pol, oom Morgen gegen Abend, bei allen Völkern fast findet, ist auch hier, der großen Reiselust ungeachtet, zu Hause, und auch hier begrüßt der Heimkehrende die Heimat mit Gefühlen voll Seligkeit und Freude.
Sämmtliche Besucher Neuseelands sprechen den Eingeborenen große Zärtlichkeit und Liebe gegen Kinder, Ältern und Freunde zu, und sagen, daß Freundschaftsdienste und Wohlthaten von denselben nicht nur geschäht, sondern dankbar erwiesen werden. Wenn der Tod einen geliebten Gegenstand entreißt, überlassen sie sich dem Schmerze auf das Unbegränzteste, vergießen das eigene Blut und vermischen es mit ihren Thränen. Die trockneren Europäer, welchen die Lebendigkeit nicht inwvhnt, verwundern sich über der Neuseeländer Lebhaftigkeit, so wie jene dafür von diesen als gefühllose Leute angesehen werden. Beim Verabschieden auf längere Zeit wirkt der Schmerz ebenfalls heftiger, als bei den eisernen, kalten Seeleuten Europa's, weshalb diese den Neuseeländer falsch beobachten. Nur der tiefste Schmerz ist stumm; wer noch nie Gelegenheit hatte, ihn kennen zu lernen, könnte thöricht genug sein, das für Kaltblütigkeit zu nehmen, was nichts weniger als Kälte ist.
Ueber die Behandlung der Weiber widersprechen sich die Reisenden sehr. Jst's aber nicht möglich, daß die Menschen auch dort, wie bei uns, verschieden sein, und beide Urtheiler Recht haben können? Nach einzelnen Beispielen aburtheilen zu wollen, würde höchst voreilig sein. Zuverlässig falsch ist die Behauptung Einzelner, daß die neuseeländischen Frauen ihre Gunstbezeigun
gen so leicht an Fremde austheilen, nn Gegentheile ist erwiesen, daß man noch nirgend züchtigere Weiber gefunden hat.
Das Alter steht in hoher Achtung, und den Greisen gehören stets die Ehrenplätze. Mit Ehrfurcht hören die jungen Leute den alten zu, welche auf Berathungen stets großen Einfluß ausüben. Diese Achtung der Alten wird sogar bis auf die Sklaven ausgedehnt.
Die Gastfreundlichkeit der Neuseeländer wird von allen Reisenden gelobt, und eben so ihre Freigebigkeit. Sie geben gerne Lebensmittel her, ohne etwas dafür zu verlangen. Wenn sie einmal die Worte Aire ma'i, airc ina'f gesagt habe», darf man fest darauf rechnen, freundlich von ihnen aufgenommen zu werden, da die Einladung unverletzlich für sie ist. Bevor sie diese Worte aber nicht ausgesprochen, thut man wohl, auf seiner Hut zu sein.

