24

Die Hofräthin. Reisen thut allerdings viel Alles; aber die Reisen in das Bad scheinen mir nicht ge­nügend. Seitdem ich die Metamorphose an unserm Renaud gesehen habe, blickt mein Auge weiter. Ich habe Paris en rue.

Der Hofrath. Glaubst Du, daß wir nicht zu alt zu einer so gänzlichen Metamorphose sein werden?

Die Hofräthin. Zu alt! was fehlt uns denn? so gar viel dächte ich doch nicht. Wir sind ja stets mit der Zeit gegangen.

Der Hofrath. Das wohl aber das Geld! Re- naud's Ausbildung hat enorm viel gekostet; ich murre darüber nicht! wir waren's ihm, seinen trefflichen Anlagen, uns, unserm Namen, unserm Stande, unserer Position schuldig. Allein Alles von allen Seiten betrachtet, so scheint es mir, daß wir ganz gut so wie wir sind verbraucht wer­den können. Wir stehen ja doch schon so hoch über dem kleinstädtischen Plebs, mit dem wir gezwungen sind umzu­gehen. Sind wir nicht wahre Tschimborasso's an feiner Bildung, an ssvoir faire , an Conversationston, kurz an allem Erforderlichen in der Gesellschaft, gegen die guten Kleinstädter, die gleichsam eine Profession von der Ge­schmacklosigkeit machen

Die H ofräthin Hahahaha! Profession

von der Geschmacklosigkeit! das ist ein köstlicher Einfall; der verdiente es, daß man ihn übersetzte. Ich will ihn unserm Sohne mittheilen und bin überzeugt, daß er ihn adoptiren wird. Um dieses bonmots willen verzeihe ich Dir das Ucbrige, was Du gesagt hast, vom Verbraucht­werden, vom Tschimboraffo und dergleichen Dingen mehr, die ich nicht verstehen wollte und deßhalb auch nicht behal­ten habe