146
Vor der Uebermacht könnten uns die wenigen Diener auch nicht schützen. Der Postenlauf ist gehemmt; man hat ja keinen andern Weg, um sich mit seinen entfernten Lieben in Verbindung zu halten, als Boten zu senden, wie es im Alterthum üblich war.
Luise. Ach, wenn wir nur auch das Schloß verlassen hätten!
Frau von Strehlen. Nicht doch! Nie hätte ich mich dazu entschließen können. Dieses Schloß ist der Stammsitz meines Hauses; seit Jahrhunderten wohnten meine Ahnen in diesen Räumen, ihre Bilder zieren den großen Saal und ihre Gebeine ruhen in der Gruft. Mir ist es, als müßte ich das Schicksal dieser Mauern theilen; mein Gefühl sagt es mir, daß ich mich nicht bergen dürfe, während diese Mauern der Plünderung, der Verwüstung preisgegeben würden und — was soll ich Dir's verhehlen, ich bin abergläubisch genug zu wähnen, daß meine Gegenwart der Unbill gewehrt habe und daß unsere Anwesenheit schuld sei, das dieser altehrwürdigc Wohnsitz eines deutschen Geschlechts noch nicht gleich so vielen andern in Schutt und Trümmern liegt.
Luise. Ach, wenn der Vater noch lebte oder wenn ich als Sohn Deinen Muth theilen könnte.
Frau von Strehlen. Auch darüber bin ich beruhigt. Ich traue diesen Franzosen noch immer Zartgefühl gegen Frauen zu; so hörten wir es nämlich von unserer Erzieherin.
Luise. Die Zeiten haben sie gewaltig verändert. Die Franzosen von heute, liebe Mutter, sind nicht mehr jenen ähnlich, von denen Dir Deine Gouvernante erzählte.
Frau von Strehlen. Wohl weiß ich das, mein

