wir können heute nicht in unsern Garten gehen.«
»Auch mich verdrießt es,« sagte Ernst; »wenn ich aber denke, daß der Regen meinen Pflanzen wohlthätig seyn werde, finde ich mich getröstet.« Mit diesen Wor- ten drehte er sich um und schlief ein, indessen Philipp mißlaunig zusah, wie der Regen falle, und nothwendi- gerwcise denken mußte, daß er auch wohlthätig auf das Wachsthum des Unkrautes wirken werde.
Es vergingen Wochen und Monathe; Philipp batte, gleich seinem Bruder, gesäet und gepflanzt, da er jedoch weder umgraben noch gießen wollte, manche Samenkörner nur flüchtig gestreut hatte, daß sie der Wind leicht verwehen konnte, und das Unkraut, welches die keimenden Pflanzen erstickte und verdrängte, nicht ausjätete, so war es natürlich, wenn Philipp auch nichts erntete. Doch ward er nicht allein dadurch, sondern auch durch die Beschämung bestraft, die er erleiden mußte, als eines Tages mehrere Freunde seiner Aeltern, die bey denselben gespeist battcn, im Garten lustwandelten und vor Ernstens Beet stehen blieben. Man bewunderte dessen Ordnung, lobte die Sorgfalt der Pflege und der bescheidene Knabe crröthetc, indem er sich zugleich freucte.
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Philipp besah sein Beet; bereits fingen sich an Brennneffeln, kleine Disteln und anderes Unkraut zu zeigen. Er seufzte, hatte aber nicht den Muth, sie aus- zureißen.
»Du seufzest, Philipp? Also bist du nicht zufrieden, und bist doch nicht müde? Siehe, wenn ich arbeite, vergesse ich auf die Müdigkeit, befinde mich vortrefflich, und habe keine Zeit zum seufzen!«
Des andern Morgens erwachten beyde Brüder schon sehr zeitig. Der Regen schlug an die Fenster; »o wie das ärgerlich ist,« rief Philipp aus, »es regnet, und

